Die Gläubiger des 400 Millionen Euro schweren Green Bonds haben eine wesentliche Hürde im Sanierungsprozess der BRANICKS Group AG genommen. In einer Abstimmung ohne Versammlung, die zwischen dem 15. und 17. August stattfand, stimmten die Anleihegläubiger mit der erforderlichen qualifizierten Mehrheit von mindestens 75 Prozent für die Verlängerung der Anleihelaufzeit. Damit wird die Fälligkeit des Papiers vorerst bis zum 31. Dezember 2026 hinausgeschoben.
Handlungsspielraum durch gemeinsamen Vertreter
Ein zentrales Ergebnis der Abstimmung ist die Wahl eines gemeinsamen Vertreters für die Anleihegläubiger. Wie am 18. August bekannt wurde, ist dieser nun offiziell ermächtigt, im Namen der Gläubiger auf bestehende Kündigungsrechte zu verzichten.
Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Erklärung zur Nichteinforderung der eigentlich am 22. September 2026 anstehenden Rückzahlung. Diese Stillhaltevereinbarung soll so lange Bestand haben, bis die geplante, umfassende Restrukturierung der Finanzverbindlichkeiten vollständig vollzogen ist.
Dieser Schritt ist Teil einer größeren Strategie, mit der das Immobilienunternehmen seine Verbindlichkeiten langfristig neu ordnen will. Ziel der Verhandlungen mit den Finanzpartnern ist es, die Fälligkeiten bis in die zweite Jahreshälfte 2030 zu strecken. Medienberichten zufolge schafft der aktuelle Beschluss die notwendige Zeit, um diese komplexen Prozesse ohne den unmittelbaren Druck fälliger Rückzahlungen umzusetzen.
Finanzierung und operative Absicherung
Die nun beschlossene Laufzeitverlängerung korrespondiert mit Lock-Up-Vereinbarungen, die bereits vor gut drei Wochen vollumfänglich wirksam wurden. Diese Vereinbarungen stützen sich auf eine breite Basis: Neben den Anleihegläubigern, von denen Inhaber von rund 60,4 Prozent des Volumens die Pläne unterstützen, haben auch die Gläubiger der Schuldscheindarlehen ihre Zustimmung signalisiert. Hier liegt die Zustimmungsquote sogar bei über 90 Prozent der ausstehenden Summe von 179,5 Millionen Euro.
Flankiert wird der Prozess durch eine kurzfristige Liquiditätssicherung. Für die Branicks Group wurde eine Brückenfinanzierung in Höhe von 35 Millionen Euro bereitgestellt. Gleichzeitig sicherte sich das Tochterunternehmen VIB Vermögen einen Kreditrahmen von 60 Millionen Euro. Diese Mittel dienen dazu, den operativen Betrieb und den Sanierungsprozess während der Verhandlungsphase aufrechtzuerhalten.
Neuausrichtung in der Führungsebene
Parallel zur finanziellen Sanierung vollzieht das Unternehmen einen personellen Umbruch im Vorstand. Bereits vor gut drei Wochen trat Josef Schultheis sein Amt als Chief Restructuring Officer (CRO) an. In dieser neu geschaffenen Funktion verantwortet er die direkte Steuerung der Restrukturierungsmaßnahmen.
In der Unternehmensführung steht zudem ein Wechsel an der Spitze bevor: Die Vorstandsvorsitzende Sonja Wärntges plant, ihr Mandat spätestens zum 31. Dezember 2026 niederzulegen.
Inmitten dieser Umbauphase steht auch die Aufarbeitung der Geschäftszahlen an. Der Vorstand hatte die Veröffentlichung des geprüften Jahres- und Konzernabschlusses für das Jahr 2025 sowie die Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 für den 27. Juli angekündigt. Die erfolgreiche Abstimmung der Anleihegläubiger markiert nun einen entscheidenden Fortschritt, um die Stabilität des Unternehmens über das laufende Turnaround-Jahr hinaus zu sichern.
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