Branicks: 579,5 Mio. Restrukturierungsplan in Kraft

Branicks Group startet Sanierungsphase: 579,5 Mio. Euro Verbindlichkeiten neu geordnet, frische Liquidität gesichert, Jahresabschluss verschoben.

Auf einen Blick:
  • Sanierungsplan für 579,5 Mio. Euro aktiv
  • Neue Brückenfinanzierung über 95 Mio. Euro
  • Jahresabschluss 2025 auf Dezember verschoben
  • Aktie verliert über 50 Prozent seit Jahresbeginn

Die BRANICKS Group AG hat einen zentralen Meilenstein ihrer Sanierung erreicht: Der Restrukturierungsplan für Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 579,5 Mio. Euro ist nach Angaben des Unternehmens vollständig in Kraft getreten. Die dafür notwendigen Lock-Up-Vereinbarungen mit den wesentlichen Gläubigergruppen sind wirksam geworden, wie das Unternehmen über EQS News mitteilte. Trotz dieses formalen Fortschritts bleibt die Aktie an der Börse unter Druck.

Anleihe und Schuldscheindarlehen neu geordnet

Kern der Vereinbarungen ist die Neuordnung der Unternehmensanleihe 2021/2026 mit einem Volumen von 400 Mio. Euro sowie von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen über 179,5 Mio. Euro. Laut Unternehmensmitteilung sind alle Bedingungen für das Wirksamwerden der Lock-Up-Vereinbarungen erfüllt worden. Die formale Umsetzung der geänderten Anleihebedingungen steht allerdings noch aus: Zwischen dem 15. und 17. August findet die Abstimmung ohne Versammlung der Anleihegläubiger statt, wie es auf der Unternehmenswebsite heißt.

Parallel zur Neuordnung der Verbindlichkeiten hat sich die Führungsstruktur verändert. Josef Schultheis wurde mit sofortiger Wirkung zum Chief Restructuring Officer in den Vorstand berufen. Zeitgleich legte der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende sein Amt nieder. Die personellen Weichenstellungen fallen zusammen mit dem Inkrafttreten des Restrukturierungsplans und unterstreichen, dass die Sanierung nun in die operative Umsetzungsphase übergeht.

Frisches Geld sichert Liquidität

Um die Liquidität während der Umstrukturierung zu sichern, hat sich Branicks eine neue Brückenfinanzierung über insgesamt 95 Mio. Euro gesichert. Davon fließen 35 Mio. Euro direkt an die Branicks Group AG, die übrigen 60 Mio. Euro erhält die Tochtergesellschaft VIB Vermögen AG. Diese sogenannte New-Money-Finanzierung soll den Geschäftsbetrieb während der weiteren Restrukturierung absichern.

Die Kehrseite der komplexen Sanierung zeigt sich im Finanzkalender: Branicks hatte bereits Ende Juli angekündigt, die Veröffentlichung des geprüften Jahresabschlusses 2025 sowie des Quartalsberichts zum ersten Quartal 2026 auf den 31. Dezember 2026 zu verschieben. Begründet wird dies damit, dass die Testate der Abschlussprüfer ein verbindliches Restrukturierungsergebnis voraussetzen. Anleger müssen sich also länger als üblich mit unvollständiger Zahlentransparenz begnügen, während die nächste reguläre Quartalsmitteilung zum zweiten Quartal 2026 für den 26. August angesetzt ist.

Kurs spiegelt Restrukturierungsrisiken

An der Börse honoriert der Markt die Fortschritte bislang nicht. Die Aktie notiert aktuell bei 0,8620 Euro und büßt allein am heutigen Mittwoch 2,27 Prozent ein. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als die Hälfte seines Werts verloren, ein Minus von 50,12 Prozent. Immerhin liegt der aktuelle Kurs noch 14,32 Prozent über dem erst am 16. Juni markierten 52-Wochen-Tief von 0,7540 Euro – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Stabilisierung der Finanzierungssituation den Ausverkauf zumindest gebremst hat.

Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Der Restrukturierungsplan schafft finanzielle Klarheit über die kommenden Jahre, doch die Verschiebung der Geschäftsberichte und die anhaltende Kursschwäche zeigen, dass das Vertrauen erst zurückgewonnen werden muss. Die Abstimmung der Anleihegläubiger Mitte August und die Quartalsmitteilung Ende des Monats dürften die nächsten Wegmarken sein, an denen sich zeigt, ob die Sanierung tragfähig ist.

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