Wer hätte das gedacht. Ausgerechnet BP, seit Jahren das Sorgenkind unter den Ölmultis, läuft seit dem 28. Februar allen anderen davon. Rund 20 Prozent Plus seit Kriegsbeginn, während Exxon, der unbestrittene Liebling der letzten sechs Jahre, knapp 2 Prozent ins Minus gerutscht ist. Der Krieg gegen den Iran hat die Rangliste der Ölmajors auf den Kopf gestellt.
Exxon steckt fest
Der Grund ist so simpel wie brutal: Exxon hat rund ein Fünftel seiner globalen Produktion hinter der Straße von Hormus sitzen. Katar, Vereinigte Arabische Emirate, und dazu noch ein riesiger Flüssigerdgas-Komplex, der von iranischen Raketen getroffen wurde und laut Analysten Jahre brauchen könnte, um wieder hochzufahren. Exxon und Chevron werden allein im ersten Quartal Marktbewertungsverluste von fast 7 Milliarden Dollar hinnehmen müssen, weil beide Konzerne Preisrisiken bei verschifften Ladungen traditionell absichern. Das schützt in ruhigen Zeiten, kostet aber jetzt.
BP hingegen handelt. Im wörtlichen Sinne.
BP PLC Aktie Chart
„Exceptional“ ist das Wort der Stunde
Die Europäer haben schlicht größere Handelsdivisionen als ihre amerikanischen Rivalen. BP hat in einem Pflichtdokument diesen Monat selbst darauf hingewiesen, dass die Handelsergebnisse „exceptional“ ausfallen werden. Shell und Total haben ähnliche Signale gesendet. Wenn der Ölpreis innerhalb von acht Wochen um mehr als 45 Prozent auf über 100 Dollar je Barrel schießt und die Preisvolatilität durch die Decke geht, verdienen die, die aktiv mit Rohstoffen handeln, deutlich mehr als die, die sich absichern.
O’Neill, die Exxon-Frau, räumt auf
Dazu kommt die neue CEO. Meg O’Neill, früher zwei Jahrzehnte bei Exxon, ist die vierte Chefin bei BP in sechs Jahren. Das sagt viel über die Turbulenzen des Konzerns aus. Ihr Kurs ist klar: Schulden runter, kein Aktienrückkauf vorerst. Biraj Borkhataria von RBC Capital Markets bringt es auf den Punkt: Die beste Strategie sei es, den zusätzlichen Cashflow komplett in den Schuldenabbau zu stecken, statt die Rückkäufe noch in diesem Jahr wieder aufzunehmen. Dazu hat BP im März die erste neue Genehmigung für ein Projekt im Golf von Mexiko seit der Deepwater-Horizon-Katastrophe 2010 erhalten und kauft sich in Namibia ein, einem der heißesten Explorationsgebiete weltweit.
Vertrauen zurückgewinnen
James West von Melius Research fasst die Lage treffend zusammen: BP profitiert von einer neuen CEO und der Chance auf eine echte Trendwende. Joshua Stone, Leiter der europäischen Energieaktienanalyse bei UBS, ist vorsichtiger. Ein dauerhaft hohes Ölpreisniveau sei zweifellos positiv für BP, aber das Vertrauen der Anleger müsse erst noch zurückgewonnen werden. Vier CEOs in sechs Jahren hinterlassen Spuren.
Immerhin: Wer BP zum schlechtesten Zeitpunkt gekauft hat, liegt gerade vorne. Das ist selten genug.
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