Die US-Bank JPMorgan blickt deutlich zuversichtlicher auf BP und stuft die Aktie am heutigen Mittwoch von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch. Parallel dazu senkten die Analysten ihr Votum für den französischen Konkurrenten TotalEnergies. Die Experten begründen ihre Neubewertung mit Fortschritten bei der Sanierung der Bilanz sowie verbesserten operativen Wachstumsaussichten.
Das Kursziel hob JPMorgan auf 675 Pence an, was einem erwarteten Aufwärtspotenzial von rund einem Viertel entspricht. Die Anleger reagierten erfreut auf das neue Votum: Im heutigen Handel kletterte die Aktie um 3,5 Prozent auf 6,49 Euro.
Damit honoriert der Markt den strategischen Kurswechsel des Managements, das verstärkt auf Kapitaleffizienz und den gezielten Abbau von Verbindlichkeiten setzt. Während geopolitische Spannungen die Rohstoffmärkte weiterhin in Atem halten, rückt bei BP zunehmend die interne operative Stärke in den Vordergrund der Bewertung.
Zweistellige Cashflow-Rendite im Visier
Nach Einschätzung von JPMorgan-Analyst Matthew Lofting dürfte der Schuldenabbau in der zweiten Jahreshälfte anziehen. Bei einem angenommenen Brent-Ölpreis von höchstens 75 US-Dollar je Barrel könnten die Verschuldungskennzahlen bis Ende 2027 auf das Niveau der europäischen Konkurrenz sinken. Für dasselbe Jahr prognostiziert die US-Bank eine Rendite des freien Cashflows von 11 Prozent.
Treiber dieser Entwicklung sind neben Einsparungen auch Effizienzgewinne im Zuge der laufenden Restrukturierung. Laut den Analysten könnte dieser Umbau dem Konzern über mehrere Jahre ein Gewinnwachstum je Aktie im hohen einstelligen Prozentbereich bescheren. Auch bei den Ausschüttungen signalisiert das Institut Zuversicht und rechnet mit kontinuierlich steigenden Dividenden.
Portfoliodisziplin durch gezielte Verkäufe
Flankiert wird der Sparkurs durch Portfoliobereinigungen. Am Montag vereinbarte BP den Verkauf eines Anteils von 5 Prozent am westaustralischen Gasprojekt Browse an Osaka Gas Browse, behält dort jedoch die verbleibende Mehrheit an der eigenen Position. Der Schritt fügt sich in die Vorgabe ein, die Nettoverbindlichkeiten bis Ende 2027 auf 14 bis 18 Milliarden US-Dollar zu reduzieren.
Gleichzeitig investiert das Unternehmen selektiv in aussichtsreiche Fördergebiete. In Brasilien treibt BP Probebohrungen im Santos-Becken voran, um das Land langfristig zu einem seiner wichtigsten globalen Förderhubs zu machen. Zudem stärkt der Konzern seine Präsenz in der Karibik und übernimmt die Führung beim Calypso-Gasprojekt vor Trinidad und Tobago.
Stabiler Jahrestrend trotz schwankender Ölpreise
Zuletzt gerieten die internationalen Rohölpreise spürbar unter Druck, nachdem Hoffnungen auf diplomatische Entspannung im Nahen Osten und wieder anlaufende Pipeline-Kapazitäten die Notierungen dämpften. Die Aktie von BP konnte sich diesem Gegenwind jedoch weitgehend entziehen: Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Kursplus von 32 Prozent.
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