Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten treibt die Rohölpreise auf neue Höchststände und rückt Energiekonzerne wie BP in den Fokus der Anleger. Während die Spannungen am Persischen Golf die Versorgungssorgen schüren, blicken Analysten trotz starker Quartalszahlen mit gemischten Gefühlen auf die künftige Ertragsentwicklung des britischen Unternehmens.
Spannungen am Persischen Golf stützen Rohölpreis
Massive gegenseitige Angriffe zwischen den USA und dem Iran haben die Sorgen um die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus verschärft. In der Folge stieg der Preis für Brent-Rohöl am 20. Juli zeitweise auf 91,42 US-Dollar pro Barrel — den höchsten Stand seit über einem Monat. Marktbeobachter der ING berichten, dass der Tankerverkehr durch das Nadelöhr Hormus fast zum Erliegen gekommen sei. Analysten von Energy Aspects warnen bereits vor einem möglichen Preissprung auf über 100 US-Dollar, sollten die Bestände weiter sinken.
Von diesem Marktumfeld profitieren die großen europäischen Ölproduzenten unmittelbar. Medienberichten zufolge erwirtschafteten die sechs größten Konzerne der Branche bereits im ersten Quartal 2026 zusammen mindestens 22 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. In den USA führt diese Entwicklung zu neuen politischen Debatten: Senator Whitehouse brachte erneut einen Gesetzentwurf für eine Übergewinnsteuer ein, der vorsieht, die Hälfte der Zusatzgewinne über Rabatte an die Verbraucher zurückzugeben.
Erste Group senkt Ertragsprognose für 2026
Trotz des rasanten Preisanstiegs am Ölmarkt äußern sich einige Analysten vorsichtiger zur langfristigen Gewinnentwicklung von BP. Die Experten der Erste Group Bank haben ihre Schätzung für den Gewinn je Aktie (EPS) im Geschäftsjahr 2026 von zuvor 5,28 US-Dollar auf 5,04 US-Dollar gesenkt. Damit liegt das Haus unter dem aktuellen Marktkonsens von 5,24 US-Dollar. Die Einstufung verbleibt jedoch auf „Moderate Buy“ mit einem Kursziel von 46,64 US-Dollar.
In der Bilanz für das erste Quartal konnte BP noch deutlich positive Akzente setzen. Der Konzern wies einen Umsatz von 52,26 Milliarden US-Dollar aus, was einem Plus von 11,4 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Mit einem bereinigten Gewinn von 1,24 US-Dollar je Aktie wurden die Markterwartungen, die zuvor bei 1,00 US-Dollar gelegen hatten, klar übertroffen. Die Dividendenrendite wird derzeit mit 4,8 Prozent beziffert.
Charttechnik und ausgesetzte Aktienrückkäufe
An den Handelsplätzen zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Aktie notiert aktuell bei 6,10 € und konnte seit Jahresbeginn bereits um 24,17 % zulegen. Dennoch belastet die Nachricht über eine Aussetzung der vierteljährlichen Aktienrückkäufe die Stimmung der Marktteilnehmer und trübt den Ausblick ein. Charttechnisch stieß der Kurs zuletzt im Bereich von 529,16 Pence auf einen nennenswerten Widerstand.
Parallel zur Fokusverschiebung auf fossile Energieträger durch die geopolitische Lage ordnen Wettbewerber ihr Portfolio neu. So veräußerte TotalEnergies zuletzt ein europäisches Solar-Portfolio mit einer Kapazität von 170 Megawatt, um sich verstärkt auf große Anlagen im Versorgermaßstab zu konzentrieren. BP selbst bleibt vorerst in einem Spannungsfeld aus operativer Stärke durch hohe Ölpreise und der Unsicherheit über die künftige Kapitalallokation. Der Titel notiert aktuell etwa 12,99 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 7,01 €, das Ende März erreicht wurde.
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