Boeing siegt im Milliardenpoker, BASF bleibt an Evonik dran, Alphabet greift mit neuem KI-Modell an – Micron liefert Rekordzahlen

Micron übertraf im vierten Fiskalquartal die Markterwartungen; zugleich prägten ein Boeing-Rüstungsauftrag und BASFs Übernahmeinteresse die Unternehmensmeldungen.

Auf einen Blick:
  • Boeing erhält Milliardenauftrag der US-Marine
  • Evonik weist BASF-Angebot als zu niedrig zurück
  • Google stellt Gemini 4 Argon vor
  • Micron übertrifft Quartalserwartungen deutlich

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Ende des dritten Quartals ein wichtiges charttechnisches Signal gesendet, während auf Unternehmensebene gleich mehrere Schlagzeilen für Bewegung sorgten: Boeing sicherte sich einen milliardenschweren Rüstungsauftrag, BASF hält trotz einer Abfuhr an seinen Übernahmeplänen für Evonik fest, Google stellte ein neues KI-Modell vor, und Speicherchip-Hersteller Micron Technology legte beeindruckende Quartalszahlen vor.

Marktrückblick: DAX fällt unter wichtige Marke

Der DAX ist zum Abschluss des Septembers unter seine 100-Tage-Linie gefallen. Am Mittwoch verlor der Leitindex deutlich. Diese gleitende Durchschnittslinie hatte dem Index in den vergangenen Tagen mehrfach Halt gegeben – nun ist sie gebrochen. Die 50-Tage-Linie verläuft inzwischen deutlich über dem aktuellen Kursniveau, die 200-Tage-Linie liegt darunter. Diese Zone dürfte nun verstärkt ins Blickfeld der Charttechniker rücken.

Für den gesamten September steht beim DAX ein deutliches Minus zu Buche. Über das dritte Quartal gerechnet bleibt dennoch ein kleines Plus von 0,8 Prozent. Belastet haben zuletzt vor allem die Inflationsdaten: Im September lagen die deutschen Verbraucherpreise um 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent im August. Verantwortlich dafür ist vor allem der deutliche Anstieg der Energiepreise. Auch Frankreich und Italien meldeten ähnliche Entwicklungen. Damit wird die Lage für die Europäische Zentralbank zunehmend komplizierter – am Markt wird inzwischen mit einer weiteren Zinserhöhung noch in diesem Jahr gerechnet, eine weitere könnte im ersten Quartal 2027 folgen.

Im DAX gehörte BMW mit einem Plus von 1,5 Prozent zu den Tagesgewinnern – offenbar die erhoffte Reaktion der Anleger auf den jüngsten Kapitalmarkttag des Autobauers. Die Commerzbank-Aktie verlor dagegen 4 Prozent, nachdem die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung gestrichen hatte, da aus ihrer Sicht viele Kurstreiber bereits eingepreist seien.

USA: Freundlichere Inflationsdaten, aber steigende Anleiherenditen

In den USA sorgte der PCE-Preisindex, das von der Notenbank bevorzugte Inflationsmaß, für etwas Entspannung. Er blieb im August unverändert bei 3,4 Prozent, während ein Anstieg auf 3,7 Prozent befürchtet worden war. Gebremst wurde die positive Wirkung allerdings durch die Entwicklung bei Öl und am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Mittwoch zeitweise über 5,3 Prozent – der höchste Stand seit 24 Jahren.

Bemerkenswert ist die derzeit unterschiedliche Risikoeinschätzung von Aktien- und Anleihemärkten: Der Volatilitätsindex VIX für den S&P 500 notiert weiterhin nahe seinem Jahrestief, während der MOVE-Index, das Pendant am Anleihemarkt, im abgelaufenen Quartal um 53 Prozent gestiegen ist. Historisch hat sich gezeigt, dass der Anleihemarkt Risikoszenarien – etwa im Zusammenhang mit der Staatsverschuldung – häufig früher einpreist als der Aktienmarkt.

An der Wall Street gab der Dow Jones am Mittwoch um 0,86 Prozent nach, der S&P 500 verlor 0,25 Prozent, während der Nasdaq 100 ein kleines Plus von 0,23 Prozent verbuchte. Für den aktuellen Handelstag deuten die Vorzeichen auf Erholung hin: In Asien legte der Nikkei in Tokio fast 3 Prozent zu, und die Terminkontrakte auf den Nasdaq 100 signalisierten vorbörslich ein Plus von rund einem Prozent – getragen von den starken Ergebnissen von Micron.

Boeing setzt sich gegen Northrop Grumman durch

Zu den klaren Verlierern des Mittwochs zählte Northrop Grumman: Die Aktie verlor 4 Prozent, nachdem das Unternehmen im Wettbewerb um einen bedeutenden Rüstungsauftrag der US-Marine den Kürzeren gezogen hatte. Den Zuschlag für den Bau des sogenannten F/A-XX, ein Auftrag in Milliardenhöhe, erhielt stattdessen Boeing. Bereits im vergangenen Jahr hatte Boeing den Wettbewerb um einen neuen Jet der US-Luftwaffe für sich entschieden. Der neue F/A-XX-Jet der sechsten Generation soll über verbesserte Tarnkappeneigenschaften, modernere Software und höhere Wendigkeit verfügen und die F-18 Super Hornet ablösen.

An der Börse hielt die Freude über den Erfolg nicht lange an: Im insgesamt eher angespannten Marktumfeld gab die Boeing-Aktie nach einem freundlichen Start wieder nach. Entscheidend für den Aktienkurs bleibt weiterhin das zivile Luftfahrtgeschäft – am Montag hatte ein Softwarefehler bei der 737 Max 10 noch auf den Kurs gedrückt. Viele Analysten zeigen sich dennoch optimistisch, dass Boeing in diesem Jahr deutlich mehr Flugzeuge ausliefern kann als zuletzt. Im Vorjahr waren es rund 600 Maschinen, für 2028 rechnet die Wall Street bereits mit über 800 Auslieferungen.

Alphabet bringt neues KI-Modell Gemini 4 Argon

Google, Tochter von Alphabet, meldet sich mit einem neuen Produkt im Wettbewerb um die besten KI-Modelle zurück: Mit Gemini 4 Argon stellte das Unternehmen ein Modell vor, das zunächst an Cybersicherheitsfirmen und Entwickler ausgegeben wird, bevor es später auch Geschäftskunden und Verbrauchern zur Verfügung stehen soll. Laut Google liegt Argon in 12 von 18 Benchmarks vorn.

Preislich positioniert sich Google aggressiv: Für den Start verlangt das Unternehmen 2 Dollar je Million Eingabetokens und 10 Dollar je Million Ausgabetokens. Damit positioniert sich Google deutlich günstiger als die Konkurrenzmodelle von Anthropic und OpenAI. Google setzt dabei auf eigene Rechenzentren und KI-Chips und finanziert die Entwicklung über das Werbegeschäft. Die Alphabet-Aktie legte im regulären Handel zu, zeitweise auch deutlicher am Nachmittag. Von einer nachhaltigen Trendwende lässt sich allerdings noch nicht sprechen.

BASF hält an Evonik-Übernahme fest

In der deutschen Chemiebranche sorgt ein Übernahmeangebot von BASF an Evonik für Gesprächsstoff. BASF bot 22,15 Euro je Aktie, Evonik lehnte das Angebot jedoch als zu niedrig ab. Eine entscheidende Rolle im weiteren Verlauf dürfte die RAG-Stiftung spielen, die rund 43 Prozent an Evonik hält und mit den Erlösen die sogenannten Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus finanziert.

BASF lässt sich von der ersten Absage nicht abschrecken: Berichten zufolge könnte ein höheres Angebot folgen, allerdings geknüpft an bestimmte Bedingungen. Für BASF-Aktionäre ist das Thema heikel – die Aktie wurde in einer ersten Reaktion abgestraft, da der Markt einen zu hohen Kaufpreis befürchtet. Zusätzlich muss ein möglicher Zusammenschluss noch von der EU-Kommission geprüft werden.

Micron Technology übertrifft Erwartungen deutlich

Im Mittelpunkt des Unternehmensgeschehens standen die Quartalszahlen von Micron Technology. Im vierten Fiskalquartal erzielte der Speicherchip-Hersteller einen Umsatz deutlich über den Markterwartungen. Der Gewinn je Aktie legte deutlich zu, auch die Bruttomarge verbesserte sich merklich. Für das laufende erste Quartal stellt Micron einen weiteren Anstieg bei Umsatz und Gewinn je Aktie in Aussicht.

Treiber des Wachstums sind Rechenzentren und Künstliche Intelligenz, die enorme Mengen an Hochleistungsspeicher benötigen. Micron geht davon aus, dass das Angebot in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 noch knapper wird. Dennoch reagierte die Aktie verhalten – Speicherchips gelten traditionell als besonders zyklischer Teil des Halbleitergeschäfts, bei dem auf Phasen der Knappheit häufig Phasen des Überangebots folgen.

Drei Faktoren sprechen dafür, dass die verhaltene Marktreaktion zu kurz greifen könnte: Erstens versucht Micron, den klassischen Branchenzyklus zu durchbrechen, indem das Unternehmen Lieferverträge über fünf Jahre mit Preisuntergrenzen und festen Abnahmemengen abschließt – diese decken bereits ein Drittel des erwarteten Umsatzes bis 2030 ab. Zweitens überzeugt die Bilanz: Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Micron einen hohen freien Cashflow und tilgte einen erheblichen Teil der Schulden. Zudem plant das Unternehmen, mit Aktienrückkäufen zu beginnen. Drittens konzentriert sich Micron zunehmend auf das margenstarke Geschäft mit Hochleistungsspeichern für KI-Anwendungen und zieht sich aus dem margenschwächeren Massenmarkt zurück.

Als Risiko gilt der Kapazitätsausbau der Konkurrenz, da auch Samsung und SK Hynix massiv investieren. Auf Sicht von zwölf bis 24 Monaten wird jedoch keine Abschwächung der grundlegenden Wachstumsparameter erwartet.

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