Boeing hat innerhalb weniger Monate den zweiten Großauftrag für ein Kampfflugzeug der sechsten Generation an Land gezogen. Die US Navy wählte den Konzern für ihr F/A-XX-Programm aus, das die alternde Flotte der F/A-18 Super Hornet ablösen soll. Für Boeing ist das eine strategische Bestätigung, die weit über den Verteidigungsbereich hinausstrahlt.
Zwei Kampfjets, ein Werk
Den Zuschlag hatte Boeing bereits 2025 für das Air-Force-Programm F-47 erhalten. Mit F/A-XX kommt nun ein zweites Sechstgenerations-Programm hinzu — ein Novum für einen einzelnen Hersteller. Boeing-Verteidigungschef Steve Parker betonte, man habe bewusst in neue Kapazitäten investiert, um beide Programme parallel stemmen zu können.
Kernstück dieser Strategie ist eine neue Fertigungsanlage in St. Louis, die als größte gesicherte Produktionsstätte der USA entstehen soll und komplett digital ausgelegt ist. Technische Details zu F/A-XX bleiben aus Gründen der nationalen Sicherheit unter Verschluss, das Auftragsvolumen bewegt sich laut Ankündigung im mehrstelligen Milliardenbereich.
Zivilluftfahrt bleibt Unsicherheitsfaktor
Während im Rüstungsgeschäft die Nachrichten positiv ausfallen, bleibt die zivile Sparte angespannt. Die Zertifizierung der 737 Max 10 verzögert sich erneut — ein Softwareproblem im vertikalen Navigationssystem sorgt dafür, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA ihre Freigabe weiter hinauszögert.
Alaska-Airlines-Chef Ben Minicucci zeigte sich öffentlich gelassen und sprach von keiner „übermäßigen Sorge“, räumte aber ein, dass sich der Start seiner neuen Kabinenausstattung mit Liegesitzen verschieben könnte, sollte die Verzögerung mehrere Monate andauern.
Auch Ryanair-Chef Michael O’Leary rechnet mit einer zeitnahen Lösung und sprach von einer Freigabe „in Tagen, nicht Wochen oder Monaten“. Die Max 10 ist das letzte Modell der Max-Familie, das noch auf die behördliche Zulassung wartet — Kunden wie United, Delta und American Airlines warten ebenso wie Alaska.
Im laufenden Liefergeschäft läuft unterdessen die etablierte 737-8 weiter reibungslos: Norwegian Air Shuttle hat die erste von vier bestellten Maschinen über eine Leasingvereinbarung mit CDB Aviation erhalten. Die Auslieferung ist Teil eines bereits 2024 geschlossenen Vertrags und stärkt die Flottenmodernisierung der norwegischen Fluggesellschaft.
Für Boeing zeigt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Im Verteidigungsgeschäft festigt der Konzern seine Position als einziger Hersteller mit zwei parallelen Sechstgenerations-Programmen. In der zivilen Sparte bleibt die Max-10-Zertifizierung der Knackpunkt, an dem sich zeigt, wie schnell Boeing das Vertrauen der wartenden Airlines zurückgewinnen kann.
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