Ein höherer Verlust als erwartet, aber gleichzeitig positiver Cashflow — bei Boeing passen die Schlagzeilen diesmal nicht zusammen. Der Flugzeugbauer hat im zweiten Quartal 2026 tiefer in die roten Zahlen gegriffen als Analysten erwartet hatten, weil das Air-Force-One-Programm erneut teurer wurde. Zugleich zeigt der operative Fortschritt beim Brot-und-Butter-Geschäft mit dem 737 MAX, dass die Trendwende an anderer Stelle Fahrt aufnimmt.
Air Force One reißt Loch in die Bilanz
Boeing verbuchte eine Belastung von 280 Millionen Dollar für die Entwicklung der beiden Präsidentenmaschinen, die künftig als Air Force One dienen sollen. Höhere Ingenieurskosten sollen sicherstellen, dass die Auslieferung 2028 tatsächlich klappt — der ursprüngliche Fixpreisvertrag über 3,9 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2018 liegt inzwischen rund vier Jahre hinter dem Zeitplan und mehr als eine Milliarde Dollar über Budget.
Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 428 Millionen Dollar, bereinigt ein Verlust von 76 Cent je Aktie. Das war deutlich schlechter als der von Analysten erwartete Verlust von 30 Cent, aber besser als der Verlust von 1,24 Dollar je Aktie im Vorjahresquartal. CEO Kelly Ortberg brachte es gegenüber der Belegschaft auf den Punkt: Man mache Fortschritte bei den Entwicklungsprogrammen, „fertig ist man aber erst, wenn man fertig ist.“
Cashflow und Auslieferungen liefern Gegengewicht
Während die Air-Force-One-Kosten belasteten, überraschte Boeing beim freien Cashflow positiv: 631 Millionen Dollar standen zu Buche, weit über der von Analysten erwarteten Barmittelbelastung von 177 Millionen Dollar. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 24,56 Milliarden Dollar, getragen von 171 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen — ein Plus von 14 Prozent gegenüber den 150 Auslieferungen im Vorjahresquartal.
Der Auftragsbestand des Konzerns erreichte mit 715 Milliarden Dollar einen Rekordwert, inklusive mehr als 6.200 bestellter Verkehrsflugzeuge. Boeing hält an seiner Jahresprognose von 1 bis 3 Milliarden Dollar freiem Cashflow fest — es wäre der erste positive Jahreswert seit 2023. Die Produktion der 737 MAX läuft inzwischen bei 47 Maschinen pro Monat, mit weiteren geplanten Steigerungen.
Parallel dazu rückt die US-Luftfahrtbehörde FAA erneut die 737-MAX-Familie in den Fokus. Sie hat eine Inspektionspflicht für bestimmte 737-8-, 737-9- und 737-8200-Maschinen vorgeschlagen, nachdem einige Passagiersitze nicht korrekt in den Sitzschienen verankert waren. Betroffen wären nach Schätzung der Behörde 453 in den USA registrierte Flugzeuge. Verletzte oder Vorfälle nannte die FAA nicht, verlangt aber Detailkontrollen und gegebenenfalls Nachbesserungen an der Sitzbefestigung.
Für das zweite Halbjahr richten sich die Blicke nun auf die nächsten Zertifizierungsschritte — allen voran die 737 MAX 7, gefolgt von Fragen zur MAX 10 und zum Langstreckenjet 777X, die Analysten beim Earnings-Call ansprechen dürften.
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