Boeing versucht den Neustart, doch der Weg bleibt steinig. Ein aufrüttelndes Mitarbeiter-Memo des neuen CEOs trifft auf spürbare Fortschritte bei der Zulassung des 737 MAX 10 und einen Großauftrag von Alaska Airlines. Im Hintergrund belasten jedoch Altlasten aus früheren Zwischenfällen weiter das Bild. Wie passt dieses Spannungsfeld aus Erholung, Risiko und hohen Erwartungen zusammen?
Turnaround bleibt harte Arbeit
In einer internen Nachricht vom Donnerstag macht CEO Kelly Ortberg wenig Illusionen: 2026 werde mindestens so anspruchsvoll wie das Vorjahr. Er betont zwar, dass sich der Konzern nach dem massiven Cash-Abfluss von 14,3 Milliarden US‑Dollar im Jahr 2024 stabilisiert habe. Gleichzeitig stellt er klar, dass der eigentliche Turnaround erst im Aufbau ist und „wichtige Arbeit“ noch bevorsteht.
Damit sendet das Management bewusst ein Signal der Vorsicht. Der Konzern ist zwar nicht mehr im akuten Krisenmodus, aber weit entfernt von einem entspannten Normalbetrieb. Für Anleger heißt das: Die operative Basis verbessert sich, doch der Umbau des Geschäfts ist ein mehrjähriger Prozess, kein schneller Befreiungsschlag.
Wichtiger Fortschritt beim 737 MAX 10
Parallel zu dieser vorsichtigen Tonlage gibt es einen klar positiven operativen Akzent: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat Boeing den Start von „Phase 2“ der sogenannten Type Inspection Authorization (TIA) Flugtests für den 737 MAX 10 genehmigt.
Diese Phase ist ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur Zulassung des größten Schmalrumpfmodells des Konzerns. Die zusätzlichen Testflüge dienen dazu, die nötigen Zertifizierungsnachweise zu sammeln und das Muster näher an den kommerziellen Einsatz zu bringen. Für Boeing ist das entscheidend, weil der MAX 10 als wichtiger Baustein für künftige Auslieferungen und damit für den freien Cashflow gilt.
Juristische Altlasten belasten weiter
Ganz ohne Gegenwind ist die Erholung allerdings nicht. Am Donnerstag reichte Captain Brandon Fisher, der Pilot des Alaska‑Airlines‑Flugs 1282 beim Türpanel-Vorfall im Januar 2024, eine Verleumdungsklage gegen Boeing ein.
Fisher fordert Schadenersatz und wirft dem Unternehmen „verwerfliche und unzutreffende“ Aussagen vor, mit denen nach seiner Darstellung die Flugbesatzung zum Sündenbock für die Folgen des Vorfalls gemacht worden sei. Solche Verfahren halten die Sicherheits- und Qualitätsdebatte rund um Boeing präsent – ein sensibles Thema, das auch aufs Vertrauen von Airlines, Regulatoren und Investoren wirkt.
Großauftrag und Analystenreaktion
An der Börse stützt aktuell vor allem ein neuer Großdeal das Stimmungsbild. Alaska Airlines hat in dieser Woche ihre größte Flugzeugbestellung überhaupt gemeldet:
- 105 Maschinen vom Typ Boeing 737 MAX 10
- Zusätzlich fünf Langstreckenjets vom Typ 787‑10 Dreamliner
Dieser Auftrag wird als deutlicher Vertrauensbeweis eines wichtigen Kunden gewertet und verbessert die mittel- bis langfristige Visibilität der Auslieferungen. Entsprechend hat etwa Bernstein SocGen sein Kursziel für die Boeing‑Aktie auf 277 US‑Dollar angehoben und sich dabei ausdrücklich auf den Alaska‑Deal und den damit verbundenen „Glaubwürdigkeitsgewinn“ für den Sanierungspfad bezogen.
Der Markt hat diese Mischung aus operativem Fortschritt und Großauftrag bereits eingepreist: Die Aktie liegt nur noch rund ein Prozent unter ihrem 52‑Wochen-Hoch und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich erholt.
The Boeing Company Aktie Chart
Technisches Bild und Ausblick auf Zahlen
Charttechnisch notiert die Boeing‑Aktie mit 227,38 US‑Dollar klar über dem 200‑Tage‑Durchschnitt, was den zuletzt stabileren Trend unterstreicht. Gleichzeitig signalisiert der RSI von rund 44, dass der Titel kurzfristig weder überkauft noch überverkauft wirkt – nach der starken 30‑Tage-Rally von gut einem Drittel ist die Dynamik etwas abgeflaut.
Der nächste harte Test folgt in wenigen Wochen: Am Dienstag, 27. Januar 2026, legt Boeing die Zahlen zum vierten Quartal vor. Dann wird Ortberg erstmals ausführlich den Ausblick für 2026 präsentieren und konkretisieren müssen, wann die Zertifizierungen für 737 MAX 7 und MAX 10 erwartet werden. Für Investoren dürften insbesondere drei Punkte entscheidend sein: der Fortschritt beim Cashflow, belastbare Zeitpläne für die MAX‑Programme und der Umgang mit den rechtlichen Risiken aus den Vorfällen der vergangenen Jahre.
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