Der erste Eindruck täuschte. Als bekannt wurde, dass China beim Trump-Besuch nur 200 Boeing-Jets zusagte statt der erwarteten 500, reagierten Anleger enttäuscht. CEO Kelly Ortberg stellt das nun in einen anderen Rahmen — und das Bild verändert sich erheblich.
Mehr als nur ein symbolisches Signal
Ortberg sprach auf einer US-Konferenz von einem „super erfolgreichen“ China-Besuch. Die 200-Jet-Zusage sei lediglich eine erste Tranche — weitere Bestellungen sollen im Jahresverlauf folgen. China plant demnach, schrittweise weitere 300 bis 500 Maschinen zu ordern, was den Gesamtumfang auf bis zu 700 Jets treiben könnte.
Entscheidend dabei: Es geht um ein strukturelles Marktthema. Nahezu ein Jahrzehnt lang waren Boeings Narrowbodies in China faktisch eingefroren, ein Resultat der Handelsspannungen zwischen Washington und Peking. Der Trip hat dieses Tor wieder geöffnet — und die 200 Maschinen markieren den Beginn eines Prozesses, nicht sein Ergebnis.
Die Jets sollen vorwiegend an die drei großen staatlichen Carrier gehen: Air China, China Eastern Airlines und China Southern Airlines. Der Ablauf folgt einem klaren Muster: Peking vergibt erst ein staatliches Kontingent, dann verhandelt Boeing airline-by-airline die konkreten Festbestellungen. Die 200 Einheiten sollen sich noch 2026 in feste Aufträge verwandeln.
Bedingungen und Risiken
Alle weiteren Tranchen hängen an einer Bedingung: Boeing muss die Versorgung mit Ersatzteilen für bereits in China fliegende Maschinen sicherstellen. Chinesische Airlines haben während der Handelseskalation unter Teileknappheit gelitten. Peking hat das explizit als Vorbedingung für Folgebestellungen formuliert — die USA haben Versorgungsgarantien für Triebwerksteile und -komponenten zugesagt.
Das ist keine Kleinigkeit. Washington hatte 2025 Exportkontrollen auf Boeing-Flugzeugteile angedroht. Dass diese Garantie jetzt Teil des Rahmens ist, zeigt: Der Deal ist politisch eingebettet — und damit auch verwundbar gegenüber neuerlichen Spannungen.
Rüstungsauftrag obendrauf
Unabhängig vom China-Geschäft erhielt Boeing diese Woche einen Rüstungsauftrag vom US-Militär: rund 855 Millionen Dollar für vier P-8A Patrouillenflugzeuge im Rahmen von Auslandsverkäufen. Die Arbeiten sollen bis September 2030 abgeschlossen sein.
Kein Wunder, dass der Markt das China-Narrativ neu bewertet. Was zunächst als Enttäuschung galt, könnte sich als Auftakt zu einem der volumenstärksten Deals in der Unternehmensgeschichte herausstellen — sofern Boeing seine Lieferverpflichtungen einhält und die Handelsdiplomatie nicht erneut kippt.
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