BMW arbeitet an einer deutlichen Straffung seiner Modellpalette. Medienberichten zufolge ist die Produktion des Z4 bereits ausgelaufen, zusätzlich stehen die 8er-Reihe, der X4, der XM sowie der 2er Active Tourer auf dem Prüfstand. Ziel ist es, Ressourcen für die „Neue Klasse“ zu bündeln, die als zentrales Zukunftsprojekt des Konzerns gilt.
Parallel dazu gab BMW auf dem Concours d’Elegance in Pebble Beach einen ersten konkreten Ausblick auf die elektrische Zukunft seiner sportlichsten Baureihe: Das Showcar „BMW M Vision Neue Klasse“ feierte dort seine US-Premiere und deutet einen vollelektrischen M3 mit Quad-Motor-Plattform an, intern als Projekt ZA0 geführt.
Für Anleger ist das ein Signal, dass der Konzern trotz der laufenden Umbaumaßnahmen an seiner Hochleistungs-Submarke festhält und sie elektrifiziert weiterführen will.
Modellbereinigung als Teil der Neuausrichtung
Die angedachten Streichungen betreffen vor allem Nischenmodelle, deren Stückzahlen im Konzernvolumen wenig Gewicht haben. Die Fokussierung auf die „Neue Klasse“ soll Entwicklungskapazitäten und Investitionsmittel bündeln, während BMW zugleich mit strukturellen Herausforderungen kämpft.
Der Rückruf von rund 77.000 Einheiten des Motorrad-Modells S 1000 RR wegen eines möglichen Wackelkontakts am Zündschloss, davon etwa 7.000 in Deutschland, zeigt zudem, dass operative Themen jenseits der Kernmarke ebenfalls Aufmerksamkeit binden.
Die Aktie notiert nach dem jüngsten Handelstag bei 59,60 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangene Woche steht ein Minus von 0,4 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Plus von 1,4 Prozent. Damit bewegt sich das Papier weiterhin in der Nähe seines 52-Wochen-Tiefs von 56,40 Euro und liegt rund 39 Prozent unter dem im Dezember markierten Jahreshoch von 97,90 Euro.
Belastungsfaktor China bleibt bestehen
Der Kursverlauf spiegelt die anhaltende Schwäche im China-Geschäft wider, die den Konzern seit den vor rund zwei Wochen vorgelegten Quartalszahlen belastet. Der Gewinn je Aktie war dort deutlich zurückgegangen, der Umsatz rückläufig, mit dem chinesischen Markt als Hauptbelastungsfaktor.
Analysten reagierten seither uneinheitlich: Während Goldman Sachs und die Deutsche Bank vor rund zwei Wochen bei „Buy“ blieben, senkte die DZ Bank Anfang August das Rating von „Kaufen“ auf „Halten“ und reduzierte den fairen Wert von 75 auf 65 Euro, mit Verweis auf die ausbleibende kurzfristige Besserung in China. Jefferies bestätigte im gleichen Zeitraum „Hold“ und verwies ebenfalls auf offene Fragen zur China-Erholung.
Am Freitag senkte RBC Capital Markets sein Kursziel von 62 auf 60 Euro und beließ die Einstufung bei „Sector Perform“, ebenfalls mit Verweis auf angepasste Bewertungsmodelle nach den Quartalszahlen und die anhaltende Absatzschwäche in China.
Kapitalmarkttag als nächster Prüfstein
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf den für Ende September angesetzten Kapitalmarkttag. Dort erwarten Analysten Details zur langfristigen Strategie der „Neuen Klasse“ sowie mögliche Angaben zu Investitionen im Bereich Robotik.
Die Kombination aus Modellbereinigung, dem elektrischen M3-Ausblick und den strategischen Weichenstellungen im Herbst dürfte darüber entscheiden, ob sich die Aktie aus ihrer Seitwärtsbewegung nahe dem Jahrestief lösen kann.
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