BMW Aktie: Neue Klasse mit 900 Kilometer Reichweite

BMW kappt mehrere Baureihen zugunsten der Neuen Klasse. Europa zeigt E-Auto-Wachstum, während China-Absätze einbrechen und die Modellstrategie beeinflussen.

Auf einen Blick:
  • Aus für Z4, 8er, X4
  • Neue Klasse startet Produktion
  • E-Auto-Absatz Europa steigt
  • China-Verkäufe brechen ein

BMW räumt sein Modellportfolio radikal auf. Z4, 8er und X4 laufen aus, der i4 erhält kein weiteres Modelljahr über 2026 hinaus – auch XM und 2er Active Tourer stehen auf dem Prüfstand. Der Grund liegt in der neuen Fahrzeugarchitektur „Neue Klasse“, die viele bisherige Modelle schlicht überflüssig macht.

Neue Klasse verdrängt alte Baureihen

Der neue i3 auf Basis der Neuen Klasse soll laut Automobilwoche bis zu 900 Kilometer nach WLTP-Norm schaffen und mit 400 Kilowatt Ladeleistung deutlich schneller laden als bisherige BMW-Elektromodelle. Die Serienproduktion ist in München angelaufen. Damit verliert der bisherige i4 seine Existenzberechtigung innerhalb der Modellpalette – ein Nachfolger ist nicht vorgesehen.

Im zweiten Quartal 2026 setzte BMW in Europa 81.445 Elektroautos ab, ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für den iX3 liegen inzwischen fast 100.000 Bestellungen vor, weshalb das Werk im ungarischen Debrecen eine zweite Schicht aufgenommen hat. Die Zahlen zeigen: Auf dem europäischen Heimatmarkt zieht die Elektro-Nachfrage an, während in den USA vor allem Verbrenner-Modelle zweistellig zulegen.

China bremst die Strategie

Ganz anders das Bild in China. Dort brachen die BMW-Verkäufe im zweiten Quartal um 30 Prozent ein, der Elektroanteil liegt bei nur 5 Prozent. Diese Schwäche hat nach Angaben von Autocar auch Folgen für die Produktstrategie abseits der E-Mobilität: Der geplante Geländewagen G74, der als Konkurrent zu Land Rover Defender und Mercedes G-Klasse positioniert werden sollte, liegt vorläufig auf Eis. Als Gründe nennt der Bericht die schwache China-Nachfrage, Handelsbarrieren und Zölle.

BMW-Chef Nedeljković hatte die Marktbedingungen in China bereits im Juni als Hauptgrund für eine Anpassung der Konzernprognose benannt. Der Konzern hält an einem breiten Antriebsmix aus Verbrenner, Plug-in-Hybrid, reinem Elektroantrieb und Wasserstoff fest – eine Strategie, die Flexibilität gegenüber schwankender regionaler Nachfrage schaffen soll, aber auch zeigt, wie unsicher die Planung derzeit ist.

Autobranche insgesamt unter Druck

Die China-Schwäche von BMW passt in ein größeres Bild. Eine Auswertung der DAX-Konzerne für das zweite Quartal 2026 zeigt zwar einen Rekordgewinn auf Indexebene mit einem operativen Ergebnis von 52,6 Milliarden Euro, einem Plus von 16 Prozent. Die Autobranche bildet dabei aber die Ausnahme: Ihr Umsatz sank um 1,2 Prozent, das operative Ergebnis brach um 12 Prozent ein. Zugleich bauten die DAX-Konzerne branchenübergreifend 41.000 Stellen ab.

Für die BMW-Aktie bedeutet die Modellbereinigung zunächst vor allem eines: einen Blick nach vorn, weg von der vor rund zwei Wochen präsentierten Bilanz zum zweiten Quartal und der seither laufenden Restrukturierung. Der Kurs notiert bei 59,18 Euro und damit rund 2,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 60,70 Euro.

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37 Prozent zu Buche. Ob die Neue Klasse operativ liefert, was sie strategisch verspricht, dürfte über die kommenden Quartale zur entscheidenden Frage für Anleger werden – losgelöst von den kurzfristigen China-Schwankungen.

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