BMW hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 die Erwartungen enttäuscht und liefert damit den Anlass für eine kritischere Einschätzung der Analysten. Der Umsatz sank um 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro, das Konzernergebnis vor Steuern brach um 35,1 Prozent auf 1,697 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro – ein Rückgang um ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. BMW veröffentlichte die Zahlen am 30. Juli und bestätigte zugleich die bereits im Juni gesenkte Jahresprognose: Die EBIT-Marge im Segment Automobile soll 2026 nur noch zwischen 1 und 3 Prozent liegen, statt der ursprünglich avisierten 4 bis 6 Prozent. Als Grund nennt der Konzern die anhaltende Marktschwäche in China.
DZ Bank streicht Kaufempfehlung
Die schwachen Geschäftszahlen blieben nicht ohne Folgen für die Analystenmeinungen. Die DZ Bank stufte die BMW-Aktie am Sonntag von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und senkte den fairen Wert von 75,00 Euro auf 65,00 Euro. Als Begründung führten die Analysten das schwache China-Geschäft sowie fehlende kurzfristige Impulse an. RBC Capital Markets beließ die Einstufung am selben Tag auf „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 62,00 Euro. Analyst Tom Narayan verwies darauf, dass sich der Fokus der Investoren nun auf den für Ende September angesetzten Kapitalmarkttag richtet – dort dürften weitere Details zur strategischen Neuausrichtung folgen. Der aktuelle Kurs von 60,38 Euro liegt damit unterhalb beider genannter Kursziele.
An der Börse zeigt sich der Kursverlauf entsprechend angeschlagen: Seit Jahresanfang hat die Aktie 35,37 Prozent an Wert verloren. Zugleich notiert das Papier nur noch 7,06 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 24. Juli – ein Hinweis darauf, dass sich der Ausverkauf zuletzt verlangsamt hat, auch wenn eine nachhaltige Erholung bislang ausbleibt.
Konzernumbau unter neuer Führung
Die Ergebnisschwäche fällt in eine Phase tiefgreifender personeller und struktureller Veränderungen. Unter dem seit Kurzem amtierenden Vorstandsvorsitzenden Milan Nedeljkovic kündigte BMW am 29. Juli ein globales Personalstrukturprogramm an: Bis Ende 2027 sollen weltweit rund 8.000 Stellen wegfallen, etwa 5 Prozent der Belegschaft. Der Abbau soll laut Handelsblatt-Berichterstattung vor allem über Freiwilligenprogramme in Verwaltung und Entwicklung in Deutschland erfolgen. Zum 1. September rückt zudem Dorothea von Boxberg neu in den Vorstand ein, wie der Aufsichtsrat bereits am 16. Juli beschlossen hatte.
Parallel dazu belastete ein Rückruf das Firmenimage: Weltweit muss BMW 744.234 Fahrzeuge der Baujahre 2020 bis 2026 – darunter Modelle der 3er-, 5er- und 7er-Reihe sowie X5 und i3 – wegen möglicher Brandgefahr durch defekte Starterrelais in die Werkstätten zurückrufen. In Deutschland sind nach Medienberichten rund 42.300 Fahrzeuge betroffen.
Auf der Kapitalseite hat BMW unterdessen einen strukturellen Schritt bereits abgeschlossen: Zum 30. Juni wurde die im Mai beschlossene Umwandlung sämtlicher Vorzugsaktien in Stammaktien vollzogen, die Vorzugsaktien wurden an jenem Tag letztmalig gehandelt. Für Anleger bündelt sich damit ein Bild aus schwächelndem operativem Geschäft, einschneidendem Stellenabbau und einer vereinfachten, aber unter Druck stehenden Aktienstruktur – die Antworten des Managements auf dem Kapitalmarkttag im September dürften zeigen, ob sich daraus eine Trendwende ableiten lässt.
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