BMW hat am Donnerstag im Werk München die Serienproduktion des BMW i3 aufgenommen. Es ist das zweite Modell der neuen Elektroplattform „Neue Klasse“ nach dem iX3. Der Konzern senkte die Fertigungskosten dabei um weitere 10 Prozent. Ab 2027 soll das Werk München ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge bauen. Wegen hoher Nachfrage hatte BMW den Bestellstart bereits von ursprünglich Herbst auf Mitte Juni vorgezogen, was zu einer besonders steilen Anlaufkurve in der Fertigung führte.
Halbjahresbilanz zeigt tiefe Einschnitte
Der Produktionsstart fällt in eine Phase deutlicher operativer Schwäche. Am 30. Juli hatte BMW den Halbjahresbericht vorgelegt: Das Konzern-Ergebnis vor Steuern sank auf 4.045 Millionen Euro, ein Rückgang von 29,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei einer EBT-Marge von 6,5 Prozent.
Im zweiten Quartal fiel das Ergebnis vor Steuern sogar um 35,1 Prozent auf 1.697 Millionen Euro. Die operative Marge im Autogeschäft brach auf 2,3 Prozent ein, mehr als die Hälfte weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal.
China bleibt der größte Belastungsfaktor: Der Absatz dort sank im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent, im zweiten Quartal allein um 30,2 Prozent. Konzernweit lieferte BMW 4,2 Prozent weniger Fahrzeuge aus als im Vorjahr; auch die Kernmarke BMW verzeichnete einen spürbaren Rückgang. Gegenläufig entwickelten sich Europa mit einem Plus von 5,4 Prozent und die USA mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent.
Die schwache Entwicklung hatte BMW bereits im Juni zu einer Gewinnwarnung veranlasst. Der Konzern kappte die Margen-Prognose für das Autogeschäft auf 1 bis 3 Prozent und erwartet nun einen deutlichen statt moderaten Rückgang beim Konzern-Ergebnis vor Steuern. Auch der freie Cashflow im Autogeschäft soll mit rund 2,5 Milliarden Euro spürbar niedriger ausfallen als bisher geplant.
Stellenabbau und neue Personalspitze
Parallel zu den Halbjahreszahlen kündigte BMW am 30. Juli ein Stellenabbau-Programm an: Bis Ende 2027 sollen rund 8.000 Stellen wegfallen, betriebsbedingte Kündigungen schließt der Konzern aus. Für die Personalmaßnahmen reserviert BMW rund eine Milliarde Euro. Mehr als die Hälfte der Streichungen soll in Deutschland erfolgen, wo BMW etwa 85.000 Menschen beschäftigt.
Zum 1. September übernimmt Dorothea von Boxberg, bislang Vorstandsvorsitzende der Brussels Airlines, das Personalressort im BMW-Vorstand und wird Arbeitsdirektorin. Sie folgt auf Ilka Horstmeier.
Neue Klasse liefert einen Lichtblick
Trotz der schwachen Konzernzahlen entwickelt sich die neue Elektroplattform positiv. Die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge stiegen im zweiten Quartal um 5,2 Prozent auf 116.807 Einheiten, in Europa allein um 38 Prozent.
Die Nachfrage nach dem Neue-Klasse-iX3 nähert sich in Europa laut Unternehmensangaben 100.000 Bestellungen. Die X3/X4-Baureihe wuchs im ersten Halbjahr um 16,4 Prozent, angetrieben vom iX3-Start. Auch der i3 verzeichnet bereits vor dem offiziellen Marktstart eine starke Nachfrage. In Ungarn gefährdeten am Montag laut Medienberichten extreme Sommerhitze und niedrige Pegelstände der Donau allerdings die Produktionsziele für den iX3 im Werk Debrecen.
Analysten uneins über die Bewertung
Nach den Halbjahreszahlen fielen die Analystenreaktionen gemischt aus. Die DZ Bank stufte BMW am 31. Juli von Buy auf Hold zurück und senkte das Kursziel von 75 auf 65 Euro. Bernstein Research bestätigte am selben Tag das Rating Outperform, reduzierte das Kursziel aber von 85 auf 82 Euro.
Am Freitag schloss die BMW-Aktie bei 59,82 Euro, ein Plus von 1,94 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch mit 35,97 Prozent im Minus – ein Hinweis darauf, dass Anleger die operative Krise trotz des Neue-Klasse-Starts noch nicht als überwunden ansehen. Die nächste Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026 dürfte zeigen, ob der Stellenabbau und die neuen Elektromodelle die Wende einleiten können.
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