BMW bekommt von einer britischen Großbank Rückenwort, während der Autobauer noch immer an den Folgen seiner Gewinnwarnung vom Juni laboriert. HSBC hob die BMW-Stammaktie am 17. Juli 2026 von „Hold“ auf „Buy“ und nannte ein neues Kursziel von 71,00 Euro. Analyst Mike Tyndall begründete den Schritt damit, dass die bereits im Juni gesenkten Jahresziele nun realistischer seien und das Risiko weiterer Gewinnwarnungen gesunken sei.
Analyst sieht geringeres Risiko weiterer Gewinnwarnungen
Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der der Kurs deutlich unter Druck steht. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 38,51 Prozent verloren. Zuletzt hat sich das Bild jedoch etwas aufgehellt: Binnen sieben Handelstagen legte der Kurs um 1,41 Prozent zu und liegt damit nur noch 3,98 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 56,72 Euro, das erst am 15. Juli 2026 markiert wurde. HSBC argumentiert offenbar, dass mit der im Juni erfolgten Korrektur der Konzernziele der schlimmste Teil der Enttäuschungen bereits eingepreist sein könnte.
Der Vorstand hatte die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 Mitte Juni drastisch zurückgenommen. Die EBIT-Marge im Segment Automobile soll nun in einem Korridor von 1 bis 3 Prozent liegen, zuvor waren 4 bis 6 Prozent in Aussicht gestellt worden. Bei den Auslieferungen rechnet das Unternehmen inzwischen mit einem „leichten Rückgang“ gegenüber dem Vorjahr, nachdem ursprünglich Wachstum angepeilt worden war.
China bricht ein, Europa und USA legen zu
Wie stark der Umbruch bereits im operativen Geschäft angekommen ist, zeigen die am 10. Juli 2026 veröffentlichten Halbjahreszahlen. BMW lieferte weltweit rund 1,15 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung fällt regional jedoch sehr unterschiedlich aus: Während Europa um 5,4 Prozent und die USA um 3,9 Prozent zulegten, brach der Absatz in China um 20,4 Prozent auf 261.800 Einheiten ein. Der chinesische Markt bleibt damit der zentrale Belastungsfaktor für den Konzern.
Gegenläufig entwickelt sich das Geschäft mit Elektrofahrzeugen. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die BEV-Auslieferungen konzernweit um 5,2 Prozent auf 116.800 Einheiten. Besonders kräftig fiel das Wachstum in Europa aus, wo die Stückzahlen um 38 Prozent auf 81.400 Fahrzeuge zulegten. Diese Dynamik dürfte einer der Gründe sein, warum HSBC trotz der schwachen Gesamtbilanz an eine Stabilisierung glaubt.
Halbjahresbericht und Kapitalstruktur im Fokus
Nachdem die groben Absatz- und Margendaten bereits kommuniziert wurden, bereitet BMW nun die Veröffentlichung des vollständigen Halbjahresberichts für den 30. Juli 2026 vor. Anleger dürften dort detailliertere Angaben zur Ergebnisentwicklung je Segment erwarten, nachdem die grobe Richtung mit der Juni-Warnung bereits vorgegeben wurde.
Parallel hat sich auch die Kapitalstruktur des Konzerns verändert. Zum 30. Juni 2026 wurde die auf der Hauptversammlung im Mai beschlossene Umwandlung aller Vorzugsaktien in Stammaktien vollzogen. Der Handel der Vorzugsaktien wurde eingestellt, die Umbuchung der Bestände in den Depots war bis zum 3. Juli 2026 abgeschlossen.
Abseits des Tagesgeschäfts treibt BMW zudem ein Projekt zu alternativen Kraftstoffen voran: Zusammen mit Bosch, Toyota und Repsol startete der Konzern am 15. Juli 2026 in Spanien ein sechsmonatiges Pilotprojekt, bei dem vollständig regeneratives Benzin unter der Bezeichnung „Nexa 95“ im Realbetrieb mit Bestandsfahrzeugen getestet wird. Ob solche Initiativen kurzfristig Einfluss auf die Bewertung der Aktie haben, bleibt offen – im Zentrum der Anlegeraufmerksamkeit dürfte zunächst der Halbjahresbericht Ende Juli stehen.
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