Die deutsche Autoindustrie verdient an jedem verkauften Fahrzeug spürbar weniger. Das Center of Automotive Management (CAM) hat am heutigen Dienstag eine Auswertung für 15 Hersteller veröffentlicht, darunter BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen: Der durchschnittliche operative Gewinn pro Fahrzeug sank im ersten Halbjahr 2026 auf 1.187 Euro, nach 1.409 Euro im Vorjahreszeitraum.
Für BMW passt die Zahl ins Bild eines Sommers voller Gegensätze – schwache Ergebnisse auf der einen, ein anlaufendes Zukunftsprogramm auf der anderen Seite.
Gewinneinbruch und Sparprogramm
Am 30. Juli hatte der Konzern seine Quartalszahlen vorgelegt, und sie fielen deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Das Vorsteuerergebnis brach um 35,1 Prozent auf 1,697 Milliarden Euro ein, der Nettogewinn fiel ähnlich stark auf 1,2 Milliarden Euro. Parallel dazu einigte sich BMW mit dem Betriebsrat auf ein Freiwilligenprogramm, das bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen in Verwaltung und Entwicklung abbauen soll.
Finanzvorstand Walter Mertl bezifferte zudem die Belastung durch US-Zölle auf rund 1,25 Prozentpunkte der EBIT-Marge im Automobilsegment. Die operative Marge im Kernsegment sank im zweiten Quartal auf nur noch 2,3 Prozent. Für einen Hersteller, der über Jahre zweistellige Margen gewohnt war, markiert das einen tiefen Einschnitt.
Neue Klasse nimmt Fahrt auf
Dem stellt BMW den Anlauf seiner neuen Fahrzeuggeneration entgegen. Ende Juli lief im ungarischen Werk Debrecen der 50.000ste BMW iX3 der „Neuen Klasse“ vom Band, begleitet von steigenden Auftragseingängen.
Am Donnerstag startete zudem im Stammwerk München die Serienproduktion der vollelektrischen Limousine BMW i3. Werkleiter Peter Weber erklärte, die neue Fahrzeugarchitektur und ein höherer Automatisierungsgrad hätten die Fertigungskosten um weitere 10 Prozent gesenkt.
Auch bei der Batterieversorgung will BMW aufholen: Am neuen Standort Irlbach-Straßkirchen soll die offizielle Inbetriebnahme am 1. Oktober erfolgen. Das Werk ist darauf ausgelegt, künftig bis zu 600.000 Hochvoltspeicher der sechsten Generation jährlich an deutsche Produktionsstandorte zu liefern und damit die „Neue Klasse“ zu versorgen. Wie stark diese Investitionen die Marge tatsächlich stabilisieren können, dürfte sich erst im kommenden Jahr zeigen.
Analysten zwischen Zuversicht und Skepsis
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Halbjahreszahlen fielen gespalten aus. Goldman Sachs bestätigte am 3. August nach Vorlage der Q2-Zahlen seine Kaufempfehlung für BMW. Bernstein Research hält ebenfalls an seiner Einstufung „Outperform“ fest, senkte jedoch am 31. Juli sein Kursziel von zuvor 85 Euro – als Grund nannten die Analysten das anhaltend schwache China-Geschäft.
Weitere Institute bewegten sich dazwischen: Jefferies beließ die Aktie am 3. August bei „Hold“ mit einem Kursziel von 70 Euro und verwies auf den bevorstehenden Kapitalmarkttag, der für Ende September angekündigt ist.
Die Deutsche Bank bestätigte ihre Kaufeinstufung, während RBC am 2. August bei „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 62 Euro blieb und die DZ Bank die Aktie auf „Halten“ beließ. Die Kurszielspanne der jüngsten Einschätzungen reicht damit von 62 bis 70 Euro – ein Zeichen dafür, dass der Markt den Umbau honoriert, das China-Risiko und die Margenschwäche aber ernst nimmt.
Aktie nahe Jahrestief
An der Börse spiegelt sich diese Unsicherheit deutlich wider. Die BMW-Aktie notiert aktuell bei 58,92 Euro und liegt damit nur noch 4,47 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 36,93 Prozent zu Buche.
Der für Ende September angekündigte Kapitalmarkttag dürfte zum nächsten wichtigen Prüfstein werden, an dem sich zeigt, ob der Produktionshochlauf der Neuen Klasse die operative Schwäche in den kommenden Quartalen ausgleichen kann.
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