BMW hat gerade Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Analysten ins Grübeln bringen. Der Gewinn brach im zweiten Quartal massiv ein. Die Reaktionen der Banken könnten unterschiedlicher kaum sein.
Bernstein Research senkte das Kursziel von 85 auf 82 Euro. Die Einstufung „Outperform“ bleibt trotzdem bestehen. Die DZ Bank ging einen anderen Weg: Sie stufte BMW auf „Halten“ herab und nennt einen fairen Wert von 65 Euro.
Die Zahlen hinter der Sorge
BMW veröffentlichte seine Halbjahreszahlen am 30. Juli. Der Konzernumsatz fiel im zweiten Quartal um 7,9 Prozent auf 31,259 Milliarden Euro. Damit sinkt der Umsatz bereits zum zehnten Mal in Folge auf Quartalsebene.
Noch deutlicher zeigt sich der Einbruch beim Ergebnis. Das EBIT brach um 38,7 Prozent auf 1,631 Milliarden Euro ein. Im Autogeschäft sank das operative Ergebnis sogar um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro.
Das bedeutet: BMW verdiente im Finanzdienstleistungsgeschäft mehr Geld als mit dem Verkauf von Autos. Hauptgrund ist China. Der Absatz dort brach im zweiten Quartal um fast ein Drittel ein, Rückläufe und härterer Wettbewerb setzen dem Konzern zu.
Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic bestätigte die im Juni gesenkte Konzernprognose. Bernstein-Analyst Stephen Reitman ordnet das ein: Die Erwartungen seien wegen der bereits gesenkten Guidance ohnehin niedrig gewesen. Jetzt komme es darauf an, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.
BMW zieht mit Stellenabbau nach
Kurz vor den Zahlen kündigte BMW einen umfangreichen Stellenabbau an. Damit zieht der Konzern nach – nach Volkswagen, Mercedes und Porsche ist BMW nun der letzte deutsche Autobauer mit einem großen Sparprogramm.
Weltweit sollen rund 8.000 Jobs wegfallen. Das entspricht etwa fünf Prozent der gesamten Belegschaft von rund 154.000 Mitarbeitern. Der Abbau soll über natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Deutschland erfolgen, das im Oktober 2026 startet und bis Ende 2027 läuft.
Finanzvorstand Walter Mertl begründet die Dringlichkeit: „Nach Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr intensivieren und beschleunigen wir unsere Effizienzmaßnahmen.“ Das Ziel: weniger Komplexität, eine niedrigere Kostenbasis. Ab 2028 soll der Konzern dadurch jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen.
Chartbild bleibt angeschlagen
Die Aktie schloss am Freitag bei 59,46 Euro, ein Minus von 1,69 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,43 Prozent – ein kleiner Teil der jüngsten Verluste ist damit wieder aufgeholt. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 79,51 Euro fehlen der Aktie aber noch rund 25 Prozent, das Papier bleibt charttechnisch klar angeschlagen.
Weitere Häuser äußerten sich ebenfalls zu den Zahlen. RBC Capital Markets bewertete die Aktie laut Finanzportalen mit „Sector Perform“. Die gespaltenen Einschätzungen zeigen: Ob die Sparmaßnahmen reichen, um die durch das China-Geschäft belastete Profitabilität kurzfristig zu stabilisieren, ist unter Analysten offen.
Für BMW hängt viel am Abfindungsprogramm, das im Oktober startet. Erst wenn die ersten Effekte sichtbar werden, lässt sich abschätzen, ob der Konzern sein Sparziel von einer Milliarde Euro jährlich ab 2028 tatsächlich erreicht.
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