BMW hat seinen deutschen Händlern Anfang August mitgeteilt, dass die geplante Umstellung auf das Agenturmodell nicht mehr vor dem 1. Juli 2028 angestrebt wird. Damit verschiebt der Konzern eine zentrale Reform seines Vertriebssystems um Jahre – und setzt ein weiteres Signal dafür, dass der Konzern derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig umsteuern muss.
Vertrieb bleibt vorerst beim alten Modell
Das Agenturmodell sollte den klassischen Handel ablösen: Händler würden dabei nicht mehr auf eigene Rechnung verkaufen, sondern als Vermittler für BMW agieren, während der Konzern Preise und Kundenbeziehung stärker selbst steuert.
Die Verschiebung bedeutet, dass Händler in Deutschland vorerst mit dem bestehenden System planen können. Für BMW selbst verschiebt sich damit auch der Zeitpunkt, an dem sich potenzielle Effizienzgewinne aus dem neuen Modell im Ergebnis niederschlagen könnten.
Parallel dazu meldete BMW Deutschland für Juli 24.644 Neuzulassungen, ein moderates Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der deutsche Heimatmarkt zeigt sich damit stabiler als der Konzern insgesamt, dessen Auslieferungen im ersten Halbjahr um 4,2 Prozent zurückgingen.
Restrukturierung und China-Schwäche als Hintergrund
Die Verschiebung des Agenturmodells fällt in eine Phase, in der BMW ohnehin unter Druck steht. Ende Juli hatte der Konzern seinen Halbjahresbericht vorgelegt, in dem Vorstandschef Nedeljković die Ergebnisse des ersten Halbjahrs ausdrücklich als „nicht zufriedenstellend“ bezeichnete.
Das Vorsteuerergebnis fiel im zweiten Quartal um 35,1 Prozent auf 1.697 Millionen Euro, die EBIT-Marge im Automobilsegment lag bei nur noch 2,3 Prozent. Besonders belastend wirkt der chinesische Markt, wo die Auslieferungen im zweiten Quartal um 30,2 Prozent einbrachen.
Als Antwort kündigte BMW ein Restrukturierungsprogramm an, das bis 2030 eine EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent erreichen soll. Ein Baustein ist der Abbau von 8.000 Stellen bis Ende 2027, der im Oktober beginnt und vor allem Verwaltung, Entwicklung und indirekte Funktionen in Deutschland betrifft. Ab 2028 soll das jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen.
Lichtblicke bei der Neuen Klasse
Nicht alle Nachrichten sind negativ: Die neue Modellreihe der „Neuen Klasse“ kommt bei Kunden an. In Europa stiegen die BEV-Auslieferungen im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel, beim BMW iX3 liegt der Konzern auf Kurs für 100.000 Auftragseingänge.
Auch die Bereinigung eines Rechtsstreits mit dem Zulieferer Aumovio Ende Juli, der BMW eine Zahlung von 350 Millionen Euro einbrachte und sämtliche rechtshängigen Verfahren beendete, entlastet die Bilanz punktuell.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Ein Konzern im Umbau, ein wichtiger Markt in China, der schwächelt, und ein Vertriebsprojekt, das sich um Jahre verzögert.
Die Aktie notiert aktuell bei 58,16 Euro und damit nur wenige Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, während sie zum 200-Tage-Durchschnitt von 77,44 Euro einen Abstand von 25 Prozent aufweist. Das zeigt, wie stark der Kurs im laufenden Jahr unter Druck geraten ist – die Verschiebung des Agenturmodells dürfte daran kurzfristig wenig ändern.
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