BMW steckt mitten im tiefsten Ergebniseinbruch seit Jahren. Der Autobauer kündigte im Zuge seines Halbjahresberichts an, bis Ende 2027 rund 8000 Stellen zu streichen – mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Das freiwillige Abfindungsprogramm soll ab Oktober anlaufen. Von weltweit rund 154.000 Beschäftigten arbeiten etwa 85.000 hierzulande.
Der Personalabbau ist die Konsequenz aus einer Zahlenlage, die kaum Spielraum lässt. Im zweiten Quartal 2026 brach der Konzerngewinn nach Steuern um rund 35 Prozent ein, auf nur noch 1,2 Milliarden Euro.
Der Umsatz sank von 34 auf 31 Milliarden Euro. Noch drastischer traf es das operative Ergebnis im Automobilgeschäft: Es fiel um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro.
China bleibt die größte Belastung
Der Absatzeinbruch in China trifft BMW besonders hart. Im zweiten Quartal lieferte der Konzern dort nur noch 117.815 Fahrzeuge aus, ein Minus von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über das gesamte erste Halbjahr summiert sich der Rückgang im wichtigsten Einzelmarkt auf 20,4 Prozent.
Bereits im ersten Quartal hatte BMW mit knapp 1,67 Milliarden Euro rund 23 Prozent weniger verdient als ein Jahr zuvor – der aktuelle Bericht bestätigt damit einen Abwärtstrend, der sich über zwei Quartale verfestigt.
Bereits Mitte Juni hatte der Vorstand seine Jahresprognose kassiert. Statt stabiler Auslieferungen rechnet BMW für 2026 nun mit einem leichten Rückgang im Automobilsegment. Die erwartete EBIT-Marge im Autogeschäft wurde von 4 bis 6 Prozent auf nur noch 1 bis 3 Prozent gesenkt, die Kapitalrendite von 6 bis 10 Prozent auf 1 bis 5 Prozent.
BMW kündigte zugleich an, seine Struktur- und Effizienzmaßnahmen zu beschleunigen – mit der Folge, dass im zweiten Halbjahr zusätzliche Einmalaufwendungen das Ergebnis belasten. Wirkung zeigen sollen die Sparmaßnahmen erst in den Folgejahren.
Rückkaufprogramm läuft trotz Krise weiter
Trotz der schwachen Zahlen hält BMW an seinem Aktienrückkaufprogramm fest. Anfang Juli startete die dritte Tranche mit einem Volumen von bis zu 625 Millionen Euro, maximal 44 Millionen Stammaktien dürfen erworben werden.
Im August erwarb der Konzern in zwei Wochenzeiträumen insgesamt rund 1,12 Millionen eigene Aktien. Für Anleger ist das ein Signal, dass das Management trotz der operativen Schwäche an der Substanz der Aktie festhält – Kritiker dürften einwenden, dass Rückkäufe angesichts der Ergebniskrise auch Mittel binden.
Personell steht BMW zudem vor einem Wechsel im Vorstand: Dorothea von Boxberg übernimmt im September das Personalressort von Ilka Horstmeier – ausgerechnet in der Phase des angekündigten Stellenabbaus.
Kurs nahe Jahrestief
Die Aktie notiert aktuell bei 58,18 Euro und damit nur gut 3 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, das erst vor wenigen Wochen markiert wurde.
Seit Jahresanfang steht ein Kursverlust von 38 Prozent zu Buche, verglichen mit dem Hoch von Anfang Dezember bei 97,90 Euro liegt das Papier rund 41 Prozent im Minus. Der jüngste Rückgang um 1,7 Prozent binnen sieben Handelstagen zeigt: Die Verkaufsdynamik hat sich zuletzt nicht beruhigt.
Mitte Juli hatte HSBC ihre Einstufung von Hold auf Buy angehoben, gleichzeitig aber das Kursziel von 79 auf 71 Euro gesenkt – ein Hinweis darauf, dass selbst optimistischere Stimmen die fundamentale Schwäche einpreisen. Angesichts des Datums liegt diese Einschätzung inzwischen mehr als vier Wochen zurück und spiegelt nicht zwingend die aktuelle Lage nach der jüngsten Gewinnwarnung wider.
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