Die deutsche Autoindustrie liefert derzeit vor allem Hiobsbotschaften. Volkswagen prüft den Abbau von bis zu 100.000 Stellen. Parallel dazu drohen Werksschließungen. Inmitten dieses Chaos sticht BMW am Freitag positiv hervor. Bernstein Research stuft den Münchener Autobauer auf „Outperform“ hoch.
Überverkauft am Jahrestief
An der Börse zeigt sich diese Zuversicht heute noch nicht. Die BMW-Aktie verliert fast zwei Prozent und fällt auf 59,94 Euro. Damit handelt das Papier gefährlich nah an seinem 52-Wochen-Tief von 58,80 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf rund 37 Prozent.
Ein technisches Detail lässt aufhorchen. Der Relative-Stärke-Index (RSI) notiert bei 22,5. Das signalisiert, dass die Aktie massiv überverkauft ist. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt mittlerweile beachtliche 28 Prozent. Ein Großteil der Branchenkrise dürfte im Kurs eingepreist sein.
Batterien und Effizienz im Fokus
Warum bewertet Bernstein die Münchener besser als die Konkurrenz? BMW meidet Überkapazitäten und trimmt die Produktion auf Effizienz. Ein Beispiel liefert das Werk in Spartanburg. Dort sank der Energiebedarf pro Auto in den letzten knapp zwanzig Jahren um 66 Prozent.
Hinzu kommt der Fortschritt bei alternativen Antrieben. Die neue Batteriezellen-Generation senkt die Emissionen pro Wattstunde um 28 Prozent. Beim Modell iX5 rechnet sich der Umweltvorteil gegenüber dem Verbrenner bereits nach ein bis zwei Jahren. Etwa ein Drittel jedes Fahrzeugs besteht mittlerweile aus recycelten Materialien.
Politischer Rückenwind für München
Weltweit wächst der regulatorische Druck auf die Branche. Die UNECE verschärft die Regeln für autonomes Fahren. In den USA streiten Hersteller über neue Tracking-Gesetze. Einige Konzerne drohen dort sogar mit Verkaufsstopps.
In Deutschland deutet sich indes ein Kurswechsel an. Das Verkehrsministerium fordert flexiblere Abgas-Regeln statt starrer Quoten. Genau das spielt BMW in die Karten. Der Konzern hält konsequent an seiner Multi-Antriebs-Strategie fest. Diese Flexibilität schützt vor extremen Rückschlägen. Konkurrenten wie BYD büßten zuletzt über die Hälfte ihres Börsenwerts ein.
Am 30. Juli 2026 muss das Management liefern. Dann präsentiert BMW den Halbjahresbericht. Die Zahlen werden zeigen, ob die Münchener dem Branchenabwärtstrend operativ trotzen. Hält die Unterstützung am Jahrestief, bietet die überverkaufte Lage eine spekulative Ausgangsbasis.
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