BMW hat die Produktion der Gen6-Elektromotoren hochgefahren und kommt damit auf eine Kapazität von mehr als 4.000 Antrieben pro Woche. Der Schritt fällt in eine Phase, in der der Konzern zugleich mit schwachem China-Geschäft, einem Vorstandswechsel und einer historischen Kapitalstruktur-Änderung Schlagzeilen macht.
Neue Klasse und E-Auto-Absatz nehmen Fahrt auf
Die Kapazitätserweiterung in Steyr soll den Hochlauf der „Neuen Klasse“ absichern, jener neuen Fahrzeug- und Antriebsgeneration, mit der BMW technologisch neu ansetzen will. Rückenwind liefert bereits das laufende Geschäft mit vollelektrischen Fahrzeugen: Im zweiten Quartal 2026 legte der BEV-Absatz um 5,2 Prozent auf 116.807 Einheiten zu, getrieben vor allem vom Marktstart des neuen BMW iX3 in Europa. Ergänzt wird die Modelloffensive durch die Enthüllung des neuen X5 und des vollelektrischen iX5 im Werk Spartanburg, beide bereits mit Designelementen der „Neuen Klasse“.
Diesen Fortschritten steht allerdings ein deutlich schwächeres Gesamtbild gegenüber. Die weltweiten Auslieferungen sanken im ersten Halbjahr 2026 um 4,2 Prozent auf 1.156.742 Fahrzeuge. Während Europa mit einem Plus von 5,4 Prozent und die USA mit 3,9 Prozent zulegten, brach der Absatz in China um 20,4 Prozent ein, im zweiten Quartal allein sogar um 30,2 Prozent. China bleibt damit der zentrale Belastungsfaktor für den Konzern.
Vorstandswechsel und Ende der Vorzugsaktie
Parallel zur operativen Entwicklung verändert sich BMW auch strukturell. Der Aufsichtsrat berief Dorothea von Boxberg, zuvor CEO von Lufthansa Cargo und Brussels Airlines, in den Vorstand der BMW AG. Sie übernimmt das Ressort Personal und Sozialwesen. Zugleich hat der Konzern seine Aktienstruktur vereinfacht: Nach dem Handelsregistereintrag vom 30. Juni 2026 wurden sämtliche Vorzugsaktien technisch in Stammaktien umgewandelt und endgültig aus dem Handel genommen. BMW folgt damit dem Prinzip „One Share, One Vote“. Am 30. Juli 2026 folgt mit dem Halbjahresbericht der nächste wichtige Termin, bei dem der Konzern detaillierte Finanzkennzahlen vorlegen und in einem Analysten-Call erläutern will.
Analysten mit unterschiedlichem Blick auf die Aktie
Die Deutsche Bank bestätigte am 14. Juli 2026 ihr „Buy“-Rating für BMW mit einem Kursziel von 90,00 Euro. Analyst Tim Rokossa warnte zugleich vor belastenden Effekten aus geringen Absatzvolumina und einem schwächeren Preisniveau im zweiten Quartal. Wenige Tage später, am 17. Juli 2026, stufte HSBC die BMW-Stammaktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 71,00 Euro. Die Bank begründete den Schritt damit, dass die im Juni erfolgte drastische Senkung der Jahresprognose für die operative Marge im Automobilsegment – von 4 bis 6 Prozent auf nur noch 1 bis 3 Prozent – die China-Risiken inzwischen realistisch im Kurs abbilde.
Der Kurs bleibt unter Druck
An der Börse hat sich die Stimmung trotz der Hochstufungen bislang nicht spürbar gedreht. Die Aktie schloss am Freitag bei 58,40 Euro, ein Rückgang von 0,75 Prozent zum Vortag. Damit notiert das Papier nur noch 2,96 Prozent oberhalb seines 52-Wochen-Tiefs, das erst kürzlich markiert wurde. Die Kluft zwischen den optimistischen Kurszielen der Analysten und dem aktuellen Kursniveau bleibt damit groß – ob die anstehenden Halbjahreszahlen am 30. Juli für eine Neubewertung sorgen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die China-Schwäche im weiteren Jahresverlauf entwickelt.
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