BMW-Aktien legen an diesem Freitag deutlich zu, obwohl der Autobauer wenige Tage zuvor einen der schwächsten Quartalsberichte seiner jüngeren Geschichte vorgelegt hat. Das Papier notiert bei 59,94 Euro und gewinnt im Tagesverlauf 2,15 Prozent. Der Kontrast wirkt zunächst überraschend, doch Anleger scheinen im drastischen Sparprogramm des Konzerns bereits eine Antwort auf die Krise zu erkennen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie dennoch 35,84 Prozent verloren – die Erholung vom jüngsten Rutsch ist bislang nur ein erster Schritt.
Gewinneinbruch im zweiten Quartal
Am 30. Juli hatte BMW Zahlen präsentiert, die das Ausmaß der Krise offenlegten. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 7,9 Prozent auf 31.259 Millionen Euro, unter dem Strich blieben nach Steuern nur noch 1,2 Milliarden Euro übrig. Noch deutlicher fiel der Einbruch beim Ergebnis vor Steuern aus: Es brach um 35,1 Prozent ein, während der operative Gewinn im Automobilgeschäft sogar um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro einbrach.
Besonders schmerzhaft bleibt China. Im zweiten Quartal lieferte BMW dort nur noch 117.815 Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gesamten ersten Halbjahr summierte sich der China-Rückgang auf 20,4 Prozent. Der einst wichtigste Wachstumsmarkt der Münchner entwickelt sich zunehmend zur Belastung – lokale Konkurrenz und schwache Nachfrage drücken auf Absatz und Marge gleichermaßen.
Achttausend Stellen sollen die Wende bringen
Nur einen Tag vor den Zahlen, am Mittwoch vergangener Woche, hatte BMW den Abbau von rund 8.000 Stellen bis 2027 angekündigt. Ein freiwilliges Abfindungsprogramm soll ab Oktober starten. Der Autobauer beschäftigt weltweit rund 154.000 Menschen, davon etwa 85.000 in Deutschland – dort soll mehr als die Hälfte der Kürzungen anfallen.
Finanzvorstand Walter Mertl begründete den Schritt so: „Nach Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr intensivieren und beschleunigen wir unsere Effizienzmaßnahmen.“ Allein für dieses Jahr plant BMW einen dreistelligen Millionenbetrag für Personalmaßnahmen, insgesamt hat der Konzern rund eine Milliarde Euro dafür zurückgestellt. Zusätzliches Sparsignal: BMW lässt die Paris Motor Show 2026 aus, obwohl eine Teilnahme zuvor zugesagt war.
Analysten sehen trotz Gewinneinbruch Kurspotenzial
Die Reaktionen der Analysehäuser nach den Zahlen fielen differenziert, aber im Grundton konstruktiv aus. JPMorgan-Analyst Jose M. Asumendi beließ die Einstufung am 30. Juli bei Overweight mit einem Kursziel von 82 Euro. Bernstein Research senkte sein Kursziel einen Tag später von 85 auf 82 Euro, hielt aber an der Einstufung Outperform fest. Beide Häuser signalisieren damit deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau, auch wenn die operative Schwäche unbestritten bleibt.
Zur Belastung kommt ein Rückrufproblem in den USA. Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA teilte mit, BMW of North America rufe rund 318.000 Fahrzeuge der Modelle 2er, 3er, 4er, 5er sowie X3, X4 und Z4 der Baujahre 2021 bis 2026 zurück – Grund ist ein möglicher Anlasser-Defekt mit Brandrisiko. Erst wenige Tage zuvor war ein weltweiter Rückruf von rund 744.234 Fahrzeugen wegen desselben Starterrelais-Problems bekannt geworden.
Parallel dazu vollzieht BMW einen Führungswechsel: Milan Nedeljković, zuvor Produktionsvorstand, übernahm bereits im Mai den Vorstandsvorsitz von Oliver Zipse. Im September soll zudem Dorothea von Boxberg das Personalressort von Ilka Horstmeier übernehmen. Medienberichten zufolge läuft daneben ein Aktienrückkaufprogramm weiter – Ende Juni startete ein weiteres Teilprogramm über 625 Millionen Euro, eingebettet in ein Gesamtvolumen von bis zu zwei Milliarden Euro.
Operativ setzt BMW zugleich auf die Zukunft: Im Werk München startet im August die Serienproduktion des i3, des zweiten Modells der „Neue Klasse“-Familie. Im US-Werk Spartanburg beginnt ebenfalls im August die Fertigung des neuen X5, ab Dezember soll dort zusätzlich der vollelektrische iX5 vom Band laufen. Ob diese Modelloffensive die Ergebnislücke schließen kann, entscheidet sich frühestens in den kommenden Quartalen.
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