Ein Jahr nach der Verschärfung der chinesischen Luxussteuer zieht die Branche Bilanz – und BMW kommt im Vergleich zur Konkurrenz glimpflich davon. Peking hatte die Schwelle, ab der Neufahrzeuge mit der Zusatzabgabe belegt werden, von 1,3 Millionen Yuan auf 900.000 Yuan gesenkt, umgerechnet rund 116.000 Euro. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bewertet die Änderung insgesamt als negativ für die deutschen Hersteller, und die China Passenger Car Association (CPCA) meldet einen deutlichen Nachfragerückgang bei Verbrennern in der betroffenen Preisspanne zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Yuan.
China-Geschäft: BMW hält sich besser als Porsche, Mercedes und Audi
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete BMW in China ein Absatzminus von 20 Prozent. Das klingt zunächst deutlich, fällt aber im Branchenvergleich moderat aus: Porsche musste einen Rückgang von 32 Prozent hinnehmen, Mercedes 28 Prozent, Audi 19 Prozent. Laut Handelsblatt hat die Luxussteuer auf den Gesamtabsatz von BMW kaum Auswirkungen, während bei Mercedes betroffene Modelle wie S-Klasse und Maybach weniger als fünf Prozent des Absatzes ausmachen. Bei Audi sind es einer begrenzten Zahl an Modellen, bei Porsche einzelne Derivate, die unter die neue Schwelle fallen. Für BMW deutet das darauf hin, dass das Modellportfolio in China weniger stark im besonders betroffenen Preissegment verankert ist als bei den Wettbewerbern.
Kurs bleibt unter Druck, RSI signalisiert überverkaufte Lage
An der Börse spiegelt sich die schwierige China-Lage in einem angeschlagenen Kursbild wider. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die BMW-Aktie bei 58,40 Euro, ein Minus von 0,75 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von 37,41 Prozent zu Buche. Die Aktie bewegt sich damit weiterhin in der Nähe ihres 52-Wochen-Tiefs, nachdem sie im Dezember 2025 noch deutlich höher notiert hatte. Der andauernde Abwärtstrend passt zu den strukturellen Belastungen aus dem chinesischen Kernmarkt, auch wenn BMW im Herstellervergleich die geringsten prozentualen Einbußen verzeichnet.
Personalwechsel im Vorstand: Von Boxberg übernimmt globale Personalabteilung
Neben der China-Thematik sorgt BMW mit einer Personalentscheidung für Schlagzeilen. Dorothea von Boxberg soll ab September 2026 die globale Personalabteilung leiten und zieht damit in den Vorstand ein. Sie verantwortet künftig die Personalstrategie sowie die Arbeitsbeziehungen des Konzerns. Der Wechsel an der Spitze der HR-Funktion fällt in eine Phase, in der BMW seine internationale Aufstellung angesichts des schwierigen China-Geschäfts und des branchenweiten Wandels hin zur Elektromobilität neu ausrichtet.
Elektrischer M3 und Motorsport-Erfolge
Auch technisch bleibt BMW in Bewegung: Erste Erprobungsfahrzeuge eines elektrischen M3 mit Quad-Motor-Antrieb und mehr als 700 PS wurden gesichtet, erkennbar an der Motorhaubenlüftung, die vom M Concept Neue Klasse übernommen wurde. Anders als bislang erwartet soll der Verbrenner-M3 parallel weiterverkauft werden, wobei der batterieelektrische Ableger künftig ohne das bisher übliche „i“-Präfix im Namen auskommt. Im Motorsport unterstreicht BMW derweil seine Stärke im GT-Rennsport: Das Team WRT sicherte sich mit dem BMW M4 GT3 Evo einen Doppelsieg beim GT World Challenge Europe Sprint Cup in Misano. Fahrer Charles Weerts feierte dabei seinen 20. Sprint-Cup-Sieg, einen Rekordwert in der Serie, während der Wagen mit der Startnummer 32 die Fahrerwertung anführt. Das nächste Rennen der Saison findet Ende Juli in Magny-Cours statt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Operativ zeigt BMW im China-Vergleich relative Stärke und treibt mit dem elektrischen M3 die Modelloffensive voran, während der Aktienkurs die branchenweiten Belastungen aus dem chinesischen Markt und dem laufenden Strukturwandel weiterhin deutlich einpreist.
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