Wer Bloom Energy in diesem Jahr gekauft hat, kennt beide Seiten dieses Marktes. Erst ein Plus von gut 155 Prozent seit Januar, dann innerhalb von sieben Tagen ein Minus von über 21 Prozent. Am letzten Freitag allein rauschte die Aktie um 18,5 Prozent nach unten. Willkommen bei einer Aktie, die Nervösität bestraft und Nervenstärke belohnt.
Was Bloom Energy eigentlich verkauft
Der Kern des Geschäfts ist eine Festoxid-Brennstoffzelle, kurz SOFC. Kein Verbrenner, kein klassisches Kraftwerk, sondern eine Box, die aus einer elektrochemischen Reaktion direkt Strom erzeugt. Jede dieser Boxen liefert zwischen 200 und 300 Kilowatt. Das Entscheidende: Sie lassen sich beliebig zusammenschalten, und das geht schnell. Während eine Netzanbindung zwischen drei und sechs Jahren dauert, ist eine Brennstoffzelle von Bloom Energy in weniger als drei Monaten am Netz. Das ist der Grund, warum Hyperscaler gerade Schlange stehen.
Oracle hat das am deutlichsten gezeigt. Der ursprüngliche Deal aus dem Juli letzten Jahres wurde mehrfach aufgestockt und umfasst mittlerweile 2,8 Gigawatt. Beim sogenannten „Project Jupiter“ ersetzt Bloom Energy Gasturbinen und Dieselgeneratoren komplett, das gesamte Rechenzentrum soll auf einem einzigen Mikronetz-Campus laufen. Wenn das funktioniert, wird es zum Blaupause für die Branche.
Die Zahlen, die zählen
Der Auftragsbestand ist um 140 Prozent gestiegen. Die Umsatzguidance für dieses Jahr liegt bei 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar. Produktumsätze laufen aktuell auf einem Jahresrhythmus von 2,6 Milliarden Dollar, und die Bruttomargen klettern trotz massivem Volumenwachstum. Das ist das eigentlich Auffällige: In einem Markt, der so schnell wächst, würde man normalerweise Preisdruck sehen. Stattdessen zeigt Bloom Energy Preissetzungsmacht. Kundenzahlungen im Voraus sprangen um 93 Prozent auf 151 Millionen Dollar in nur einem Quartal. Abgegrenzte Umsätze stiegen um 418 Millionen auf 628 Millionen Dollar.
CEO K. Sridhar formulierte es so: „Seit über 25 Jahren bauen wir dieses Unternehmen auf der Überzeugung auf, dass saubere, zuverlässige und günstige dezentrale Energie für eine digitale Welt unverzichtbar sein wird. Der Markt bestätigt diese Vision jetzt in großem Maßstab.“ Das klingt nach PR, stimmt aber mit den Zahlen überein.
Was die Bullen rechnen
Die Produktionskapazität liegt aktuell bei 1 Gigawatt in Fremont, Kalifornien. Bis Ende dieses Jahres soll sie auf 2 Gigawatt verdoppelt werden, mit 100 Millionen Dollar Investitionen. Langfristig soll das Werk auf 5 Gigawatt ausgebaut werden. Wer da einfach linear hochrechnet: Bei 1 GW Kapazität laufen Produktumsätze auf 2,6 Milliarden Dollar. Bei 5 GW wären das rechnerisch über 13 Milliarden Dollar allein aus dem Produktgeschäft.
Goldman Sachs schätzt, dass Brennstoffzellen bis 2030 zwischen 8 und 20 Gigawatt an Rechenzentrumsleistung abdecken werden. Morgan Stanley sieht eine Stromlücke von 20 Prozent bis 2028. Beides spielt Bloom Energy direkt in die Hände, vorausgesetzt, die Produktion hält mit.
Bloom Energy Corporation Aktie Chart
Und der Kurseinbruch?
Bloom Energy ist von 351 Dollar im 52-Wochen-Hoch auf zuletzt deutlich darunter gefallen. Das KUV sieht auf den ersten Blick happig aus, aber bei einem Unternehmen, das seine Produktumsätze bis 2030 potenziell verfünffachen kann, ist das eine andere Rechnung als bei einem reifen Industrieunternehmen. Wer heute einsteigt, kauft nicht die Vergangenheit, sondern eine Wette darauf, dass der Auftragsbestand tatsächlich abgearbeitet wird, die Margen halten und kein Hyperscaler kalte Füße bekommt. Drei große Wenn, zugegeben. Aber die nächsten Quartalszahlen kommen am 30. Juli. Dann wird sich zeigen, ob der Rücksetzer ein Einstieg war oder nur der erste Akt.
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