Trotz einer starken Kursentwicklung seit Jahresbeginn sieht sich der Brennstoffzellen-Spezialist Bloom Energy mit wachsender Skepsis am Kapitalmarkt konfrontiert.
Während das Unternehmen operativ von der Nachfrage nach Energie-Infrastruktur für Rechenzentren profitiert, belasten der Rückzug eines gewichtigen Großinvestors sowie operative Schwierigkeiten bei einem Schlüsselprojekt die Stimmung. Der aktuelle Kurs notiert mit 167,00 Euro rund 3,4 Prozent im Minus, womit sich der Titel deutlich unter sein bisheriges Jahreshoch zurückgezogen hat.
Citadel reduziert Engagement massiv
Ein wesentlicher Faktor für die jüngste Verunsicherung ist das Agieren von Ken Griffins Hedgefonds Citadel. Berichten zufolge hat Citadel mehr als 80 Prozent des Risikos aus seinem sogenannten Situational Awareness Portfolio liquidiert. Bloom Energy gehörte dabei zu den größten Positionen, die im Rahmen von Block-Trades im Gesamtwert von über 4 Milliarden US-Dollar abgestoßen wurden.
Dieser massive Teilverkauf erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie trotz der heutigen Verluste seit Jahresanfang noch ein Plus von 123 Prozent vorweist.
Der Rückzug eines derart einflussreichen Akteurs wie Citadel wirft Fragen nach der kurzfristigen Bewertung des Titels auf, zumal das Papier mit dem heutigen Rücksetzer nur noch knapp 3,0 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 162,21 Euro notiert. Damit rückt eine technisch wichtige Unterstützungslinie in den Fokus der Anleger.
Operative Verzögerungen bei Großprojekt
Zusätzlich zur Skepsis an der Wall Street sorgen neue Details zu „Project Jupiter“ für Diskussionen. Dieses Vorhaben für das Technologieunternehmen Oracle ist ein zentraler Bestandteil des Auftragsbestands, der zuletzt auf etwa 20 Milliarden US-Dollar beziffert wurde.
Allein Oracle macht laut Analysen rund 70 Prozent des benannten Backlogs aus. Jüngste Berichte zeigen jedoch erhebliche Hürden auf: In New Mexico wurde am 29. Juli ein Antrag für eine benötigte Gas-Pipeline abgelehnt, zudem fehlt eine notwendige Luftgenehmigung.
Auch der Ressourcenverbrauch des Projekts wird kritischer beäugt. Für den Betrieb des Brennstoffzellen-Systems am Standort Jupiter werden jährlich rund 167.000 Gallonen Wasser für Wartungszwecke benötigt. Hinzu kommt eine einmalige Menge von 960.000 Gallonen für die Erstbefüllung.
Da Fragen zur Kühlwasser-Nachfüllung und dem Gesamtbedarf teilweise unbeantwortet blieben, rücken Ausführungsrisiken und die hohe Kundenkonzentration wieder stärker in das Bewusstsein der Marktteilnehmer.
Juristische Front verhärtet sich
Parallel zu den operativen Herausforderungen intensiviert sich der juristische Druck. Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter die DJS Law Group sowie Levi & Korsinsky, treiben Sammelklagen wegen möglicher Verstöße gegen das Wertpapierkonformitätsgesetz voran.
Im Kern der Vorwürfe stehen mutmaßlich falsche Aussagen zur Scandium-Beschaffung. Bloom Energy wird vorgeworfen, Abhängigkeiten von chinesischen Lieferquellen für dieses kritische Material verschleiert zu haben.
Diese Vorwürfe beziehen sich auf einen Zeitraum vom 27. Februar 2025 bis zum 8. Juli 2026. Anleger, die in dieser Phase Verluste erlitten haben, können sich noch bis zum 28. September 2026 für die Rolle des Hauptklägers bewerben. Diese rechtlichen Unsicherheiten überschatten die positiven Impulse, die vor gut drei Wochen noch von einer angehobenen Jahresprognose und einem Rekordumsatz im zweiten Quartal von rund 1,1 Milliarden US-Dollar ausgingen.
Analysten von JPMorgan hatten das Kursziel im Zuge dieser Zahlen zunächst auf 346 US-Dollar angehoben, doch die Kombination aus Investoren-Exits und rechtlichen Risiken fordert die optimistischen Szenarien derzeit heraus.
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