Ein Kursziel von 350 Dollar auf der einen Seite, ein erwarteter Kursrückgang auf der anderen. Bei Bloom Energy driften die Einschätzungen der Wall-Street-Analysten derzeit so weit auseinander wie selten zuvor. Die Aktie des Brennstoffzellen-Herstellers notiert aktuell bei 209,00 Euro, ein Plus von 1,46 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 11,44 Prozent zu Buche.
Leerverkäufer gegen Kursziel-Erhöhungen
Die jüngste Schwäche geht auf eine Serie kritischer Short-Seller-Berichte zurück. Hunterbrook Capital veröffentlichte Anfang Juli eine Short-These gegen Bloom Energy, die das Unternehmen scharf zurückwies. Kurz darauf bestätigte auch Crossroads Capital eine Short-Position und bezeichnete Hunterbrooks Argumentation als überzeugend.
Mehrere Analysten widersprechen dieser bearishen Sichtweise deutlich. Susquehanna erhöhte das Kursziel von 293 auf 298 Dollar und bestätigte die positive Einstufung. Baird hält unverändert an einem Kursziel von 310 Dollar fest. Roth Capital zog nach und hob sein Ziel von 225 auf 285 Dollar an, stufte die Aktie aber nur als neutral ein.
Jefferies sorgte am Montag für Bewegung: Analyst Julien Dumoulin-Smith übernahm die Coverage und erhöhte das Kursziel von 207 auf 246 Dollar. Die Aktie legte daraufhin rund 9 Prozent zu. Trotz der Anhebung beließ Jefferies die Einstufung bei „Hold“ – die Bewertung sei schlicht zu hoch, um mehr Optimismus zu rechtfertigen.
Wie hoch ist der faire Wert wirklich?
Die Zeitspanne der Betrachtung entscheidet über das Bild. Fasst man nur die Kursziele der vergangenen drei Monate zusammen, kommen 19 Analysten auf einen Durchschnitt von 287,32 Dollar. Die Spanne reicht dabei von 217 bis 350 Dollar.
Bezieht man ältere, vorsichtigere Einschätzungen mit ein, sieht die Rechnung anders aus. Insgesamt 36 Analysten liefern für die kommenden zwölf Monate einen Schnitt von 245,72 Dollar – unterhalb des jüngsten Handelskurses von 263,61 Dollar. Diese Diskrepanz zeigt, wie schnell sich die Stimmung 2026 gedreht hat. Allein in den vergangenen drei Monaten wurde der durchschnittliche Kurszielwert um 95,39 Prozent nach oben revidiert.
Trotz der Unsicherheit bleibt die Mehrheitsmeinung positiv. Nach Stand vom 13. Juli 2026 vergeben 21 Analysten ein Kaufrating für die Aktie. Risiken bestehen dennoch: Bloom Energy stützt sein Wachstum stark auf Rechenzentrums-Projekte, insbesondere mit Oracle. Der Konzern will seine Fertigungskapazität rasch auf 5 Gigawatt ausbauen – ein ambitioniertes Ziel, das Ausführungsrisiken birgt.
Der Kontext: Ein Jahr der Extreme
Der Blick auf die längerfristige Kursentwicklung relativiert die aktuelle Nervosität. Binnen zwölf Monaten hat sich die Aktie mehr als verneunfacht, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 148,25 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 308,50 Euro, erreicht am 25. Juni, trennen die Aktie aktuell noch 32,25 Prozent. Zum Tief von 20,98 Euro aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand dagegen fast 900 Prozent.
Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei über 112 Prozent – ein Wert, der die heftigen Tagesschwankungen der letzten Wochen erklärt. Der Relative-Stärke-Index von 41,9 deutet auf keine extreme Über- oder Unterkaufsituation hin, während der Kurs weiterhin rund 14 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 243,88 Euro notiert.
Am 28. Juli, nach Börsenschluss, veröffentlicht Bloom Energy die Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Bis dahin dürfte das Ringen zwischen Short-Sellern und optimistischen Analysten die Aktie weiter in Bewegung halten.
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