Auf der einen Seite steht ein neuer Großauftrag im Volumen von 1,7 Milliarden US-Dollar für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Auf der anderen Seite kämpft die Aktie mit den Nachwirkungen eines Short-Reports und wachsendem regulatorischem Gegenwind bei wichtigen Kundenprojekten. Am 28. Juli legt der Brennstoffzellenhersteller seine Quartalszahlen vor – ein Termin, der zeigen soll, ob das Wachstumstempo trotz der Turbulenzen hält.
Milliardendeal für KI-Infrastruktur
Bloom Energy hat sich einen Auftrag über 1,7 Milliarden US-Dollar gesichert, um mit seiner Brennstoffzellentechnologie die KI-Cloud-Infrastruktur der Nebius Group mit Strom zu versorgen. Finanziert wird das Vorhaben unter Beteiligung von IDF und Oaktree Capital. Der Deal reiht sich in eine wachsende Liste von Partnerschaften ein: Gemeinsam mit Oracle und Brookfield arbeitet Bloom Energy an Brennstoffzellen-Projekten mit einer Kapazität von bis zu 2,8 Gigawatt, die Brookfield-Kooperation soll ein Volumen von rund 25 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Rechenzentrumsbranche gilt derzeit als zentraler Wachstumstreiber für Energieversorger abseits des klassischen Stromnetzes, und Bloom Energy positioniert sich hier als Anbieter dezentraler Stromlösungen für Betreiber von KI-Infrastruktur.
Short-Report und Regulierungshürden belasten den Kurs
Die Rekordmeldung kontrastiert mit einem herben Kursrückschlag: Am 16. Juli brach die Aktie um 13,64 Prozent ein, nachdem ein Short-Report Zweifel an der Herkunft des für die Brennstoffzellen benötigten Scandiums aus China geäußert hatte und zugleich auf Insiderverkäufe verwies. In der Folge leiteten zwei Anwaltskanzleien Untersuchungen wegen möglichen Wertpapierbetrugs ein. Hinzu kommt regulatorischer Druck bei zentralen Kundenprojekten: Oracles 165-Milliarden-Dollar-Vorhaben Stargate, intern als Project Jupiter bezeichnet, wurde in New Mexico bereits zweimal von Regulierungsbehörden zurückgewiesen, eine Luftgenehmigung steht weiter aus. New York hat zudem ein einjähriges Moratorium für neue Rechenzentrumsgenehmigungen verhängt. Kritiker sehen darin auch ein Risiko der Kundenkonzentration bei Bloom Energy.
Die Marktreaktion zeigt sich auch in den aktuellen Handelsdaten: Der Kurs schloss zuletzt bei 183,80 Euro und liegt damit 40,42 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, das erst Ende Juni erreicht wurde. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen verlor die Aktie 14,31 Prozent – ein Ausschlag, der die hohe Nervosität rund um den Titel widerspiegelt.
Starke Quartalszahlen, ambitionierte Bewertung
Fundamental bleibt das Bild positiv: Im ersten Quartal 2026 steigerte Bloom Energy den Umsatz um 130,4 Prozent auf 751 Millionen US-Dollar und übertraf die Gewinnschätzung mit einem Ergebnis je Aktie von 0,44 US-Dollar deutlich – erwartet worden waren lediglich 0,12 US-Dollar. Die Bruttomarge lag bei 30 Prozent, der operative Cashflow bei 73,6 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen hob daraufhin seine Jahresprognose an: Für 2026 wird nun ein Umsatzwachstum von rund 80 Prozent erwartet, die Gewinnprognose je Aktie liegt bei 1,85 bis 2,25 US-Dollar. Kritiker verweisen jedoch auf die Bewertung: Die Aktie wird mit mehr als dem 100-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns gehandelt, was wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.
Institutionelle Anleger uneins, Insider verkaufen
Das Bild bei institutionellen Investoren ist gemischt. Jennison Associates baute seine Position im ersten Quartal um 20.074,4 Prozent auf 2.687.029 Aktien im Wert von 364 Millionen US-Dollar aus. Gegenläufig reduzierte Bank of New York Mellon seinen Bestand um 29,2 Prozent auf 1,38 Millionen Aktien im Wert von 187 Millionen US-Dollar, Allspring Global Investments verringerte seine Position um 12 Prozent auf 454.532 Aktien. Die institutionelle Eigentümerquote liegt insgesamt bei 77,04 Prozent. Parallel dazu verkauften Insider binnen 90 Tagen Aktien im Gesamtwert von 44 Millionen US-Dollar, darunter Direktorin Mary K. Bush mit 25.000 Aktien zu 266,96 US-Dollar am 7. Mai und Chief Accounting Officer Maciej Kurzymski mit 6.229 Aktien zu 293,36 US-Dollar am 13. Mai. Der Analystenkonsens bleibt uneinheitlich: Je nach Erhebung reicht die Einstufung von „Hold“ bis „Moderate Buy“, die Kursziele bewegen sich zwischen rund 250 und 271 US-Dollar.
Für die kommenden Wochen dürfte vor allem der Quartalsbericht am 28. Juli richtungsweisend sein. Er muss zeigen, ob die angehobene Wachstumsprognose von 80 Prozent trotz Short-Attacke und regulatorischer Rückschläge bei Kundenprojekten Bestand hat.
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