John Wall arbeitet seit Jahrzehnten für dasselbe Unternehmen, und wenn er Fremden erzählt, wo er arbeitet, erntet er meistens Schulterzucken. Sagt er QNX, kennt das niemand. Sagt er BlackBerry, kommt prompt die Frage: Die machen doch keine Handys mehr, oder?
275 Millionen Autos, kein einziges Logo
Nein, machen sie nicht. Seit einem Jahrzehnt ist das vorbei. Aber was BlackBerry heute macht, sitzt in 275 Millionen Fahrzeugen auf der Straße, tief vergraben unter Armaturenbrettern und Steuergeräten, und kein Fahrer sieht je ein QNX-Logo. Wall, Präsident der QNX-Division, beschreibt seine Ingenieure als Klempner und Elektriker: Sie verlegen die Leitungen, auf die alles andere aufbaut. Kollisionswarner, Totwinkelassistenten, adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent. Das ist QNX. „Alles Hübsche darüber würde ohne ein starkes Fundament nicht funktionieren“, sagte Wall in einem Gespräch mit dem Wall Street Journal.
Der Ruf der Software ist dabei fast schon legendär. Ein Nutzer schwärmte einmal gegenüber dem Fortune-Magazin, die einzige Methode, QNX zum Absturz zu bringen, sei eine Kugel in den Rechner. Bulletproof eben, im wörtlichsten Sinne.
Der produktivste Abend seines Lebens
Dabei wäre das alles fast ganz anders gelaufen. 2014 reiste Wall ins Silicon Valley, als Google und Apple begannen, Infotainmentsysteme zu entwickeln und QNX-Ingenieure abzuwerben. Bei einem Hefeweizen erklärte ihm Audis Entwicklungschef, der Konzern wechsle für Infotainment zu Google. Kein Abschied, aber eine Weichenstellung. Wall zog die Konsequenz: Statt um den Bildschirm zu kämpfen, sollte QNX die Sicherheitssoftware tief im Fahrzeug besitzen. „Die Umstände, die dazu führten, dass wir Infotainment verloren, haben das Unternehmen in die richtige Richtung gelenkt“, sagt er heute, „ob wir das damals wussten oder nicht.“
BlackBerry Limited Aktie Chart
Plötzlich macht BlackBerry wieder Geld
Das hat sich ausgezahlt. QNX macht inzwischen die Hälfte des Gesamtumsatzes aus, und BlackBerry hat vier profitable Quartale in Folge hingelegt, zum ersten Mal seit der Zeit, als die Tastaturtelefone noch gegen das iPhone kämpften. Nach einem starken Earnings-Call legte die Aktie rund 50 Prozent zu. Im April schloss sie nur an fünf Tagen im Minus. Am Montag kam noch einmal ein Plus von etwa 11 Prozent obendrauf, ausgelöst durch einen Wall-Street-Journal-Bericht über Wall und seine Software. Seit Jahresbeginn summiert sich das auf gut 457 Prozent.
Dazu kommt die im April angekündigte erweiterte Partnerschaft mit Nvidia für Robotik und Edge Computing. QNX ist längst nicht mehr nur Automobil, die Software steckt auch in Chirurgierobotern und Dutzenden Medizingeräten.
96 Prozent unter dem Allzeithoch
Zur Einordnung: Der Börsenwert liegt bei rund 3 Milliarden Dollar. Das Allzeithoch von 83 Milliarden wurde 2008 erreicht. Die Aktie ist noch immer 96 Prozent davon entfernt. CEO John Chen verkündete auf dem letzten Earnings-Call, die BlackBerry-Geschichte sei jetzt eine Wachstumsgeschichte. Ob das stimmt, werden die Quartalszahlen im Juni zeigen. Den Termin hat das Unternehmen noch nicht genannt. Immerhin weiß jetzt ein paar Menschen mehr, was QNX bedeutet.
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