Bitcoin hält sich bei rund 77.000 Dollar auf – ruhig, fast zu ruhig. Diese Woche entscheiden sich gleich zwei Fragen, die den Kurs in beide Richtungen katapultieren können: Kommt der Clarity Act durch den Senat, und was macht die Fed mit den Zinsen?
Der Senat als erster Prüfstein
Am Dienstag stimmt der Senat über den Clarity Act ab, das zentrale Regelwerk für den US-Kryptomarkt. Republikanische Senatoren legten am Wochenende eine überarbeitete Fassung vor, die 126 Änderungen im Sinne der Demokraten enthält. Präsident Trump akzeptierte dabei einen Großteil der geforderten Ethikregeln, inklusive einer Kontrollrolle für Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten.
Für die nötige 60-Stimmen-Mehrheit brauchen die Republikaner mit ihren 53 Sitzen mindestens sieben Stimmen aus dem Lager der Demokraten oder Unabhängigen. Auf der Prognoseplattform Polymarket kletterten die Erfolgschancen für eine Verabschiedung noch in diesem Jahr zuletzt von 22 auf 32 Prozent.
Die Analysten von Bernstein sehen in den jüngsten Zugeständnissen mehr Fortschritt, als der Markt eingepreist habe – ein positives Überraschungspotenzial, das ihrer Einschätzung nach noch nicht im Kurs steckt.
Scheitert die Abstimmung, drohe laut Bernstein das „schlechteste Ergebnis“ – nicht nur für Bitcoin, sondern auch für die Bankenlobby, die im aktuellen Entwurf Schutzmechanismen gegen Einlagenabflüsse durch Stablecoins bekommen soll. Allerdings: Selbst ein Scheitern müsse keine regulatorische Sackgasse bedeuten. Die Aufsichtsbehörden SEC und CFTC könnten dann eigenständig nachziehen und Regeln festlegen.
Die Fed liefert den zweiten Katalysator
Nur einen Tag später, am Mittwoch, verkündet die Federal Reserve ihre Zinsentscheidung – begleitet vom ersten Dot Plot unter der Führung von Kevin Warsh seit Juni. Der Verbraucherpreisindex für August hatte Bitcoin am 11. September kurz in Richtung 80.000 Dollar getrieben, bevor Verkaufsdruck den Kurs wieder in die hohen 76.000er drückte. Die aktuelle Stabilisierung bei 77.000 Dollar liest sich als Pause, nicht als Trendentscheidung.
Bernstein warnt vor einer Kombination aus hawkischer Fed und gescheitertem Clarity Act – das könnte einen deutlichen Rückgang auslösen, zumal die aktuelle Marktpositionierung eher bärisch ausgerichtet sei.
Eine überraschende Zinspause mit versöhnlichem Ton würde dagegen den Weg zurück über 80.000 Dollar öffnen. CryptoQuant nennt sogar 81.700 Dollar als entscheidende Schwelle für die Rückkehr des Bullenmarktes – aktuell liegt der Kurs gut 5 Prozent darunter, nach einer Rallye von 24 Prozent im vergangenen Monat.
Die Liquidität am Markt ist merklich dünner geworden. Das Handelsvolumen konzentriert sich zunehmend auf Derivate statt auf den Spot-Markt, was Kursausschläge in beide Richtungen begünstigt.
Zwei Termine, ein enges Zeitfenster: Dienstag der Senat, Mittwoch die Fed. Fällt beides negativ aus, rückt laut Marktbeobachtern die Unterstützung bei rund 72.000 Dollar in den Fokus. Ein positives Zusammenspiel beider Ereignisse könnte den Ausbruch über die 80.000-Dollar-Marke wieder in Reichweite bringen.
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