Bitcoin: Zittrige Nerven bei 78.000 Dollar

Bitcoin gerät nach der August-Rally unter Druck: Höhere Zinserwartungen, geopolitische Spannungen und ETF-Abflüsse bremsen den Kurs.

Auf einen Blick:
  • Bitcoin fällt unter 78.000 Dollar
  • US-Bitcoin-ETFs melden 202 Millionen Dollar Abflüsse
  • August-Plus von fast 24 Prozent
  • Unterstützung bei etwa 76.200 Dollar

Nach der kräftigen August-Rally kommt Bitcoin ins Straucheln. Die Kryptowährung fiel am Montagmorgen unter die Marke von 78.000 Dollar, das Tagestief lag bei 77.396 Dollar. Zwei Belastungsfaktoren wirken gleichzeitig: steigende Zinserwartungen und eine militärische Eskalation im Nahen Osten.

Fed-Chef Kevin Warsh hatte sich beim Notenbanktreffen in Jackson Hole zum Inflationsziel von 2 Prozent bekannt. Die Aussagen wurden an den Märkten als Signal für eine straffere Geldpolitik gewertet. Inzwischen preisen Terminmarkt-Daten eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Höhere Zinsen gelten traditionell als Gegenwind für spekulative Anlagen wie Bitcoin, weil sichere Häfen wieder attraktiver werden.

Parallel dazu sorgten neue Angriffe zwischen den USA und Iran am Wochenende für Nervosität an den Risikomärkten. Die Ölpreise zogen an, was zusätzlich Inflationssorgen schürt.

ETF-Ströme drehen, Momentum kühlt ab

Die spot-gehandelten Bitcoin-ETFs in den USA verzeichneten am Freitag Nettoabflüsse von knapp 202 Millionen Dollar und beendeten damit eine neuntägige Zuflussserie. Die kumulierten Nettozuflüsse seit Marktstart liegen weiterhin bei rund 55,1 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen bei etwa 93,9 Milliarden Dollar. Ether-ETFs zeigten sich robuster und verlängerten ihre eigene Zuflussserie auf zehn Tage.

Trotz der jüngsten Schwäche bleibt der August ein starker Monat: Bitcoin dürfte den Monat mit einem Plus von fast 24 Prozent abschließen, getragen von einem kräftigen Rebound. Auslöser war unter anderem eine Ankündigung des US-Finanzministeriums zu verstärkten Anleihe-Rückkäufen, die Renditen drückte und Kapital zurück in Risikoanlagen lenkte.

Verstärkt wurde die Bewegung durch die Auflösung gehebelter Short-Positionen im Volumen von schätzungsweise 1,5 bis 3 Milliarden Dollar – ein klassischer Short-Squeeze, der den Anstieg technisch befeuerte.

Auf dem Chart zeigt sich derzeit ein Tauziehen: Die kritische Unterstützung liegt bei etwa 76.200 Dollar, dort verlaufen sowohl der SuperTrend-Indikator als auch die untere Kante der Ichimoku-Wolke. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt, solange der Kurs über dem 200-Tage-Durchschnitt bei rund 67.890 Dollar notiert. Kurzfristig hat sich das Bild allerdings eingetrübt: Der RSI ist auf 44,4 gefallen, der MACD hat ins Bärische gedreht.

Analysten weisen darauf hin, dass ein erheblicher Teil der institutionellen Zukäufe bereits vor dem stärksten Kursausschlag stattfand – ein Hinweis darauf, dass technische Marktdynamik einen größeren Anteil an der Rally hatte als frisches institutionelles Kapital.

Die kommenden Tage dürften Klarheit bringen. Fällt Bitcoin unter 76.200 Dollar, dürfte sich der kurzfristige Abwärtsdruck verstärken. Hält die Marke, bleibt der Weg zurück über 79.000 Dollar offen. Richtungsweisend könnten zudem die Arbeitsmarktdaten dieser Woche werden, die weitere Hinweise zur Zinspolitik der Fed liefern sollen.

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