Vier Anläufe, viermal abgeprallt: Bitcoin schaffte es zuletzt nicht, sich nachhaltig über 65.000 Dollar zu etablieren. Am Dienstagmorgen rutschte die Kryptowährung auf rund 64.165 Dollar ab, ein Minus von etwa 0,7 Prozent binnen 24 Stunden. Der eigentliche Grund für die Nervosität liegt einen Tag voraus.
Am Mittwoch veröffentlichen die USA ihre Inflationsdaten für Juli. Ökonomen erwarten einen Anstieg der Jahresrate auf 3,5 Prozent, die Kernrate soll auf 2,6 Prozent klettern. Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht der Vorwoche, der die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September von rund 80 auf etwa 44 Prozent drückte, gilt dieser Wert als erster echter Test für die neue Markterwartung. Ein weicher Wert würde die Zinssenkungshoffnung stützen, ein heißer Ausreißer könnte die Erwartungen abrupt drehen.
ETF-Ströme drehen wieder ins Minus
Nach der besten Zuflusswoche seit Mitte April – US-Spot-Bitcoin-ETFs hatten binnen fünf Handelstagen mehr als 850 Millionen Dollar eingesammelt – kippte das Bild zum Wochenstart. Am Montag flossen netto 145 Millionen Dollar aus den Produkten ab, der iShares Bitcoin Trust verzeichnete allein 54 Millionen Dollar an Abflüssen. Parallel dazu verstärkt Strategys angekündigte Verkaufsermächtigung über bis zu 5 Milliarden Dollar den Verkaufsdruck – das Unternehmen hatte in der Vorwoche bereits rund 1.700 Bitcoin abgegeben.
Auffällig ist dabei, wie sich der Kurs an der 65.000-Dollar-Marke verhält. Analysten verweisen darauf, dass keine aggressiven Verkäufe in die Marke hinein stattfanden – ein Hinweis auf Short-Positionierung oberhalb des Levels statt auf Gewinnmitnahmen bestehender Halter. Die Volatilitätskennziffer CME CF Bitcoin Volatility Index fiel Anfang August auf ein Mehrjahrestief von 35,56 Punkten, während die Optionsmärkte laut Marktbeobachtern zu viel Abwärtsangst und zu wenig Aufwärtspotenzial einpreisen.
Governance-Streit belastet Stimmung zusätzlich
Neben den Makrodaten sorgt ein interner Streit in der Bitcoin-Entwicklergemeinde für Gesprächsstoff. Luke Dashjr wurde als Editor der Bitcoin Improvement Proposals abgesetzt, nachdem der von ihm vorangetriebene Soft-Fork BIP-110 nur zwei Blöcke lang lief und dann zum Stillstand kam. Mehr als 99 Prozent der Rechenleistung blieben bei der Hauptchain, wie Strategy-Chef Michael Saylor öffentlich betonte. Für die Kursentwicklung spielt der Streit derzeit eine untergeordnete Rolle, zeigt aber, wie fragmentiert die Debatten um die Weiterentwicklung des Netzwerks bleiben.
Bitcoin notiert damit weiterhin rund 49 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.198 Dollar aus dem Oktober 2025, die Jahresverluste summieren sich auf knapp 27 Prozent. Ob die Kryptowährung die 65.000-Dollar-Marke am Mittwoch endlich knackt, hängt maßgeblich von der Inflationszahl ab – ein schwacher Wert könnte den Weg zur 70.000-Dollar-Marke öffnen, ein hoher die Zone um 62.000 Dollar zurück ins Spiel bringen.
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