Bitcoin rutscht unter die Marke von 80.000 Dollar – und das gleich aus mehreren Richtungen. Stärker als erwartete US-Arbeitsmarktdaten haben die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September deutlich steigen lassen, während gleichzeitig ein Sicherheitsvorfall im Bitcoin-Umfeld für zusätzliche Verunsicherung sorgt.
Am Montagmorgen notierte Bitcoin bei rund 79.725 Dollar, ein Minus von etwa 0,3 Prozent. Erst vergangene Woche hatte die Kryptowährung mit rund 82.180 Dollar noch ein Mehrmonatshoch markiert, bevor der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag die Stimmung kippte.
Die Zahlen fielen mit 162.000 neuen Stellen fast dreimal so hoch aus wie von Ökonomen erwartet, die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent. Am Terminmarkt kletterte die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung auf der Fed-Sitzung Mitte September auf etwa 60 Prozent, zuvor lag sie bei 49 Prozent.
Höhere Zinsen verteuern die Opportunitätskosten für das Halten von Bitcoin und anderen Anlagen ohne laufende Erträge. Hinzu kommt Gegenwind vom Ölmarkt: Die Ölsorte Brent stieg auf rund 97 Dollar je Barrel, nachdem die USA nach eigenen Angaben iranische Öltanker angegriffen hatten. Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt angespannt, was generell auf die Risikobereitschaft an den Märkten drückt.
Exploit im Liquid Network wirft Fragen auf
Zusätzlichen Gesprächsstoff liefert ein Sicherheitsvorfall beim Liquid Network, einer bei Börsen verbreiteten Bitcoin-Sidechain. Rund 4.000 der insgesamt etwa 4.200 Bitcoin aus der sogenannten Federation Wallet wurden abgezogen – ein Gegenwert von rund 320 Millionen Dollar. Das Netzwerk hat neue Transaktionen daraufhin gestoppt, mehrere Börsen setzten Ein- und Auszahlungen des zugehörigen LBTC-Tokens aus.
Betreiber Blockstream zufolge lag die Ursache nicht in gestohlenen Zugangsdaten, sondern in einem Softwarefehler in der Transaktionssoftware Elements, durch den Bitcoin im System fehlerhaft erzeugt worden sein sollen. Die Verantwortlichen bezeichnen sich selbst als „White-Hat-Hacker“ – ob die Gelder zurückfließen, ist offen. Einen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des normalen Netzwerkbetriebs hat Liquid bislang nicht genannt.
ETF-Zuflüsse als Gegengewicht
Trotz des Kursrückgangs bleibt die institutionelle Nachfrage stabil. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von knapp 987 Millionen Dollar, das dritte Plus in Folge. BlackRocks IBIT führte mit rund 692 Millionen Dollar. Im August summierten sich die Zuflüsse auf 3,52 Milliarden Dollar – der stärkste Monat seit September 2025.
Die kommenden Tage dürften die Richtung vorgeben: Am Donnerstag stehen US-Erzeugerpreise an, am Freitag die Verbraucherpreise. Ein unerwartet heißer Inflationswert würde die Zinserhöhungswette weiter befeuern und dürfte Bitcoin zusätzlich unter Druck setzen. Bleibt die Marke von 80.000 Dollar hingegen bestehen, könnte sich der jüngste Rücksetzer als temporäre Verschnaufpause erweisen.
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