Kurz vor 16 Uhr wird es ernst für den Kryptomarkt. Fed-Chef Kevin Warsh tritt beim Jackson-Hole-Symposium erstmals seit seinem Amtsantritt im Mai vor die versammelte Finanzwelt — und Bitcoin hält bei rund 79.000 Dollar den Atem an.
Die Notierung pendelt knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 80.000 Dollar, nachdem die Leitwährung binnen 24 Stunden noch ein Hoch von 81.347 Dollar erreicht hatte.
Zum Rekordhoch von 126.198 Dollar aus dem Oktober 2025 fehlen damit weiterhin rund 37 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 2,7 Prozent zu Buche, die Jahresbilanz hat sich auf minus 9,6 Prozent verbessert.
Fiskalpolitik trifft Geldpolitik
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht nicht die Zinsentscheidung selbst, sondern die Frage nach der Unabhängigkeit der Notenbank. US-Finanzminister Scott Bessent hatte angekündigt, die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen ab dem 9. September deutlich auszuweiten — von 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation. Hintergrund ist der Anstieg langfristiger Renditen, der die Finanzierungskosten in der gesamten US-Wirtschaft belastet.
Genau diese Maßnahme hatte zuletzt geholfen, die Renditen zu drücken und Bitcoin nach oben zu tragen. Am Markt wächst deshalb die Hoffnung, dass Warsh Spielraum für eine engere Abstimmung zwischen Fed und Finanzministerium signalisiert. Betont er stattdessen die Eigenständigkeit der Notenbank und stellt die Treasury-Käufe als reine Marktoperation dar, dürften Renditen und Dollar eher steigen — ein Belastungsfaktor für Bitcoin.
Die Stimmung bleibt trotz der Unsicherheit optimistisch. Der CMC Crypto Fear and Greed Index notiert bei 81 Punkten und damit im Bereich „Extreme Greed“, nur knapp unter dem Jahreshoch von 82 Zählern. Vor einer Woche lag der Index noch bei 74, vor einem Monat bei 35 — ein Stimmungsumschwung, der die zuletzt kräftige Erholung widerspiegelt.
ETF-Zuflüsse halten an
Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin verzeichneten am Donnerstag Nettozuflüsse von 242 Millionen Dollar, nach 232 Millionen Dollar am Vortag. Der iShares Bitcoin Trust führte mit 278 Millionen Dollar. Parallel dazu liquidierten sich am Kryptomarkt binnen 24 Stunden Short-Positionen im Volumen von 137 Millionen Dollar, leicht mehr als die 129 Millionen Dollar auf der Long-Seite.
Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen gab derweil leicht um 0,19 Prozent auf 2,67 Billionen Dollar nach, bei gleichzeitig um fast 6 Prozent gestiegenem Handelsvolumen. Bitcoin behauptet mit 59,7 Prozent seine dominante Stellung im Markt und rangiert in der globalen Vermögensrangliste weiterhin auf Platz zwölf, zwischen Saudi Aramco und Meta Platforms.
Wie stark die Fed-Rede tatsächlich nachwirkt, zeigt sich in den Stunden nach Warshs Auftritt. Bleibt der Ton Richtung Koordination mit dem Finanzministerium, könnte die Marke von 80.000 Dollar rasch wieder ins Blickfeld rücken.
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