Bitcoin: Strategy wird zum Verkäufer

Strategy veräußert erstmals signifikante Bitcoin-Bestände, um Dividenden zu bedienen. Analysten diskutieren die Folgen für den Markt.

Auf einen Blick:
  • Erster nennenswerter Bitcoin-Verkauf seit Monaten
  • Erlöse dienen der Dividendenzahlung an Aktionäre
  • JPMorgan warnt vor neuem Zwei-Wege-Risiko
  • Bitcoin-Kurs reagiert mit leichten Verlusten

Monatelang kannte Strategy nur eine Richtung: kaufen. Jetzt hat der weltgrößte Bitcoin-Treasury zum ersten Mal seit langem in nennenswertem Umfang verkauft — und das wirft eine unbequeme Frage auf. Bleibt der Vorzeige-Akkumulator ein reiner Käufer, oder wird er künftig selbst zum Unsicherheitsfaktor am Markt?

Erster Verkauf mit Symbolkraft

Zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli verkaufte Strategy 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar — zu Kursen zwischen 59.256 und 60.773 Dollar je Coin. Damit hält das Unternehmen noch 843.775 Bitcoin, mehr als vier Prozent des gesamten Angebots, aktuell im Wert von etwa 52,3 Milliarden Dollar.

Der durchschnittliche Einstandspreis liegt bei 74.476 Dollar je Coin. Das bedeutet: Strategy sitzt auf einem Buchverlust von 11,4 Milliarden Dollar. Allein im zweiten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Verlust auf digitale Vermögenswerte von 8,32 Milliarden Dollar.

Die Verkaufserlöse dienten nicht der Portfolio-Bereinigung, sondern der Bedienung von Dividenden auf Vorzugsaktien. Die USD-Reserve wurde damit auf 2,55 Milliarden Dollar aufgefüllt. Im Rahmen des neuen „Digital Credit Capital Framework“ hat sich Strategy zusätzlich ein Bitcoin-Monetarisierungsprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,25 Milliarden Dollar genehmigt.

Der Markt reagierte prompt: Bitcoin gab am Montag direkt nach Bekanntwerden der Meldung rund 2 Prozent ab, die Strategy-Aktie notierte vorbörslich etwa 1,9 Prozent im Minus.

Was JPMorgan und Bernstein trennt

Analysten von JPMorgan sehen in der Formalisierung der Verkaufspolitik ein „vermeidbares Zwei-Wege-Risiko“ — Strategy könnte künftig abwechselnd als Käufer und Verkäufer auftreten und damit neue Unsicherheit in den Markt tragen. Bernstein hält dagegen: Die Bilanzstruktur des Unternehmens mache erzwungene Verkäufe unwahrscheinlich, zumal Strategy allein in diesem Jahr rund 175.000 Bitcoin für etwa 14 Milliarden Dollar zugekauft hat.

Charttechnisch bleibt Bitcoin ohnehin in einer Zwickmühle. Der Kurs pendelt um die 63.000-Dollar-Marke, eingeklemmt zwischen einer Unterstützung bei 62.000 Dollar und einem Widerstandsband zwischen 63.100 und 63.700 Dollar. Ein klarer Ausbruch in die eine oder andere Richtung fehlt bislang.

Hinzu kommt eine strukturelle Debatte: Nach Einschätzung von CryptoQuant braucht es für die nächste große Kursrallye mehr als eine Billion Dollar frisches Kapital — vor allem von institutionellen Investoren. Vor diesem Hintergrund wiegt jede Nachricht über einen möglichen Strategie-Wechsel des größten Corporate-Halters besonders schwer.

Für die kommenden Wochen bleibt der 63.100-Dollar-Widerstand die entscheidende Marke. Erst ein nachhaltiger Schlusskurs oberhalb dieser Schwelle würde neues Aufwärtsmomentum bestätigen — solange Strategy zwischen Käufer- und Verkäuferrolle pendelt, dürfte der Markt jede weitere Bewegung des Unternehmens genau verfolgen.

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