Rund 63.000 Dollar — und trotzdem keine Ruhe. Bitcoin kämpft gerade an drei Fronten gleichzeitig: Regulierungsstreit, geldpolitischer Gegenwind und finanzielle Probleme beim größten Unternehmenshalter der Welt. Das Ergebnis: ein Kurs, der seit Jahresbeginn fast 30 Prozent verloren hat und nur knapp sechs Prozent über seinem 52-Wochen-Tief notiert.
Rechtsstreit um Perpetuals erschüttert den Markt
Am 18. Juni reichte die CME Group Klage gegen die US-Terminmarktbehörde CFTC ein. Streitpunkt ist die Zulassung von Kalshas Bitcoin-Perpetual-Futures, die die CFTC Ende Mai per vereinfachtem Selbstzertifizierungsverfahren genehmigt hatte.
CME-Chef Terry Duffy argumentiert, dass Perpetuals — Kontrakte ohne festes Verfallsdatum — rechtlich als Swaps einzustufen sind. Damit würden strengere Regeln nach dem Dodd-Frank-Act gelten. Der globale Markt für Bitcoin-Perpetuals erreichte 2025 ein Volumen von über 60 Billionen Dollar. Wie lange dieser Markt in den USA blockiert bleibt, hängt nun von Gerichten ab.
Fed-Chef Warsh setzt auf Stabilität — nicht auf Lockerung
Parallel dazu lieferte die erste FOMC-Sitzung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh keinen Trost für risikofreudige Anleger. Die Notenbank hielt den Leitzins am 17. Juni stabil zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Brisanter war der aktualisierte Dot-Plot: Neun von 18 Fed-Mitgliedern rechnen nun mit mindestens einer Zinserhöhung in diesem Jahr.
Die Fed hob ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 auf 3,6 Prozent an. Warsh — der Bitcoin einst als „generationelle Alternative zu Gold“ bezeichnete — stellte Preisstabilität klar über Zinssenkungen. Der Dollar-Index kletterte daraufhin auf ein Jahreshoch von 100,80. Bitcoin rutschte kurzzeitig auf 62.263 Dollar.
Strategy unter Druck — erstmals Bitcoin verkauft
Das größte Problem kommt von innen. Strategy, mit rund 846.000 BTC der weltgrößte Unternehmenshalter, gerät finanziell unter Druck. Die Vorzugsaktie STRC fiel auf ein Rekordtief von 82,53 Dollar — fast 17,5 Prozent unter dem Nennwert.
Die Folge: Strategy musste erstmals Bitcoin verkaufen, um Dividendenzahlungen zu finanzieren. Es waren 32 BTC — symbolisch wenig, aber das Signal wiegt schwer. Die Dividendendeckung sank von 71 Jahren Ende 2025 auf nur noch 31 Jahre. Neue Konkurrenzprodukte wie SATA, das über 13 Prozent Jahresrendite bietet, machen die Kapitalaufnahme für Strategy zusätzlich schwerer.
ETF-Abflüsse, aber Entspannung on-chain
Der Spot-ETF-Markt kühlt spürbar ab. In einem 13-Tage-Zeitraum bis Anfang Juni flossen netto 4,4 Milliarden Dollar aus US-Bitcoin-ETFs ab. Das verwaltete Vermögen sank von 104 auf rund 94 Milliarden Dollar.
On-Chain-Daten zeigen allerdings erste Stabilisierungszeichen. Der Bestand an Bitcoin auf Börsen fiel auf 2,56 Millionen BTC — den niedrigsten Stand seit 2020. Verkaufsdruck lässt nach. Polymarket beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin über 56.000 Dollar bleibt, auf 99,85 Prozent. Eine Erholung über 64.000 Dollar halten die Märkte kurzfristig nur für elf Prozent wahrscheinlich. Technisch gilt die Zone zwischen 59.000 und 60.000 Dollar als nächste relevante Unterstützung.
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