Wer in dieser Woche gegen Bitcoin gewettet hat, zahlt gerade einen hohen Preis. Binnen 24 Stunden wurden im Kryptomarkt Short-Positionen im Wert von rund 445 Millionen Dollar zwangsliquidiert, allein bei Bitcoin waren es etwa 230 Millionen Dollar. Aus einer Woche voller Rückschläge ist damit über Nacht eine der stärksten Erholungen des Jahres geworden.
Bitcoin sprang um rund 5,9 Prozent nach oben und kletterte über die Marke von 80.000 Dollar, nachdem der Kurs am Morgen noch bei etwa 76.400 Dollar gestartet war.
Das Tageshoch lag knapp über 80.800 Dollar. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von etwa 1,5 Prozent, der Jahresverlust schmilzt auf rund 9 bis 20 Prozent je nach Ausgangspunkt der Rechnung.
Vom Senats-Rückschlag zur Rally
Noch vor wenigen Tagen sah die Lage anders aus. Das Scheitern des Clarity Act an einer prozeduralen Abstimmung im Senat hatte Bitcoin unter 75.000 Dollar gedrückt.
Die US-Notenbank erhöhte am Mittwoch die Zinsen um 25 Basispunkte — der erste Schritt seit 2023. Der begleitende „Dot Plot“ signalisierte aber nur noch einen weiteren Zinsschritt bis Ende 2027 statt eines fortgesetzten Straffungszyklus. Diese Aussicht auf ein baldiges Ende der Zinserhöhungen wirkte wie ein Ventil für die aufgestaute Nervosität.
Parallel dazu meldeten sich Regulierungsbehörden mit eigener Dynamik zurück. Die US-Terminbörsenaufsicht CFTC reichte ihr Regelwerk für Krypto-Assets zur Prüfung beim Weißen Haus ein, einen Tag nachdem die SEC eine Ausnahmeregelung für tokenisierte Aktien vorgestellt hatte.
Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses stimmte zudem für den American Reserve Modernization Act, der das Finanzministerium zur Einrichtung einer Bitcoin-Lagerstätte verpflichten soll. Pantera-Capital-Gründer Dan Morehead brachte es so auf den Punkt: Die Behörden würden ohnehin umsetzen, was der gescheiterte Clarity Act vorgesehen hätte.
Was die Charttechnik zeigt
Die technischen Indikatoren untermauern die Stärke der Bewegung. Der ADX-Trendindikator liegt bei 40,6 und damit deutlich über der Schwelle von 25, ab der Analysten von einem echten Trend sprechen. Der 50-Tage-Durchschnitt kreuzte vergangenen Samstag den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben — ein sogenanntes goldenes Kreuz, ein klassisches bullisches Signal, dessen Abstand seither wächst.
Der RSI liegt bei 63,3 und signalisiert damit solide bullische Stimmung, ohne bereits überkauft zu sein. Allerdings steigt er schnell. Der Squeeze-Momentum-Indikator zeigt seit elf Handelstagen eine Volatilitätskompression an — ein Hinweis darauf, dass sich Energie aufgestaut hat, die sich noch entladen könnte, in welche Richtung auch immer.
Bei den Geldflüssen zeigt sich ein ähnliches Bild: US-Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten am Donnerstag Nettozuflüsse von 160 Millionen Dollar, nach Abflüssen von 296 Millionen Dollar am Tag zuvor.
Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) führte mit Zuflüssen von 184 Millionen Dollar. JPMorgan-Analysten wiesen allerdings darauf hin, dass hohes Short-Interesse und Hedging rund um IBIT zeigen, dass Investoren gegenüber Bitcoin weiterhin vorsichtiger agieren als gegenüber Gold.
Die nächste Hürde liegt bei rund 82.300 Dollar — dem oberen Ende der aktuellen Fibonacci-Spanne. Ein Schlusskurs darüber würde den Ausbruch bestätigen. Fällt der Kurs zurück, liegt eine erste Unterstützung bei etwa 75.600 Dollar, eine tiefere bei rund 68.900 Dollar, deren Bruch die bullische Struktur ernsthaft in Frage stellen würde.
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