Am 1. Juli fiel Bitcoin auf 57.950 Dollar, den tiefsten Stand seit 21 Monaten. Zwei Tage später notierte die Kryptowährung bereits wieder über 61.800 Dollar. Ausgelöst hat die Kehrtwende ausgerechnet eine schwache US-Wirtschaftszahl – ein Muster, das an den Märkten mittlerweile vertraut wirkt.
Jobdaten hebeln Shortseller aus
Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni verfehlte die Erwartungen deutlich: Nur 57.000 neue Stellen entstanden, erwartet waren rund 115.000. Fed-Chef Kevin Warsh erklärte zudem auf dem EZB-Forum, die Inflationsrisiken hätten nachgelassen. Beide Signale zusammen dämpften die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung und schwächten den Dollar.
Die Folge war ein klassischer Short Squeeze. Rund 440 Millionen Dollar an gehebelten Positionen wurden binnen 24 Stunden liquidiert, mehr als 60 Prozent davon Short-Wetten. Wer auf fallende Kurse gesetzt hatte, musste zurückkaufen – und trieb den Kurs damit selbst weiter nach oben.
Wale kaufen, ETF-Geld zögert noch
Parallel zur Kursbewegung zeigt sich eine deutliche Kluft zwischen großen privaten Investoren und institutionellem ETF-Geld. Bitcoin-Wale zogen in den vergangenen zwei Wochen über 270.000 BTC im Wert von rund 16,7 Milliarden Dollar von Börsen ab – ein Signal für langfristige Akkumulation. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten im Juni dagegen mit 4,5 Milliarden Dollar die höchsten Nettoabflüsse seit ihrem Start Anfang 2024.
Erst am 2. Juli drehte der Trend: ETF-Zuflüsse erreichten an einem Tag 223 Millionen Dollar, angeführt von Fidelitys FBTC mit 166 Millionen Dollar. BlackRocks IBIT verzeichnete zeitgleich bereits den elften Abfluss-Tag in Folge.
Auch Japans Metaplanet nutzte die Schwäche zum Einstieg. Das Unternehmen kaufte im zweiten Quartal 2.823 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 78.850 Dollar je Coin und hält nun insgesamt 43.000 BTC – damit rangiert Metaplanet unter den börsennotierten Haltern weltweit auf Platz drei.
Die Rolle institutioneller Akteure bleibt insgesamt gespalten zwischen entschlossener Akkumulation und spürbarer Zurückhaltung. Das zeigt sich auch bei den Kurszielen der Analysten: Citi senkte sein Zwölf-Monats-Kursziel von 112.000 auf 82.000 Dollar, während Standard Chartered an seinem Jahresendziel von 100.000 Dollar festhält.
Widerstandszone blockiert den nächsten Schritt
Charttechnisch trifft die Erholung auf eine dichte Widerstandszone zwischen 63.100 und 63.600 Dollar, in der sich mehrere technische Marken bündeln. Das Handelsvolumen der jüngsten Aufwärtsbewegung nimmt bereits ab – ein Warnsignal für nachlassende Kaufkraft. Der Fear-and-Greed-Index notiert trotz der Erholung weiterhin bei 22 bis 23 Punkten und signalisiert extreme Angst.
Der nächste Belastungstest folgt mit der Fed-Sitzung am 28. Juli. Bis dahin bleibt die Marke um 63.800 Dollar entscheidend: Ein klarer Ausbruch darüber könnte den seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 laufenden Abwärtstrend brechen, eine Ablehnung würde den Kurs zurück in Richtung 60.000 Dollar drücken.
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