Bitcoin: Rivale sät Zweifel

Charles Hoskinson kritisiert Bitcoins starre Governance als Sicherheitsrisiko. Gleichzeitig belasten ETF-Abflüsse und geopolitische Spannungen den Kurs.

Auf einen Blick:
  • Hoskinson warnt vor Quantenbedrohung
  • Bitcoin-ETFs verzeichnen massive Abflüsse
  • Angstindex fällt auf Monatstief
  • Mining-Firma Poolin beantragt Gläubigerschutz

Ausgerechnet ein früherer Bitcoin-Enthusiast wirft der größten Kryptowährung nun ihre größte Schwäche vor: mangelnde Reformfähigkeit. Cardano-Gründer Charles Hoskinson, der vor 15 Jahren selbst über Bitcoin in die Szene einstieg, warnt, dass die Blockchain im Ernstfall an ihrer eigenen Starrheit scheitern könnte. Der Vorwurf trifft in eine Woche, in der Bitcoin ohnehin an mehreren Fronten unter Druck steht.

Quantenangst als Prüfstein

Hoskinson sieht in fortschrittlicher Quantentechnologie eine reale Bedrohung für ein Netzwerk mit einer Marktbewertung von rund 1,3 Billionen Dollar. Sein Kernargument: Bitcoins Governance sei zu unbeweglich, um im Ernstfall schnell genug zu reagieren. „Es ist eingefroren in der Zeit. Es ist sehr schwierig, irgendetwas zu ändern“, sagte er in einem Interview und erinnerte daran, dass genau diese Frustration ihn einst zur Mitgründung von Ethereum bewogen habe. Cardano hingegen verfüge über ein formales Onchain-Abstimmungssystem, das im Bedarfsfall eine Migration weg von quantenanfälliger Infrastruktur per Vote ermöglichen würde. Ob sich diese Einschätzung bewahrheitet, bleibt Spekulation – Bitcoins Kerngemeinschaft hat technische Debatten in der Vergangenheit meist erst nach jahrelangem Ringen entschieden.

ETF-Serie reißt, Stimmung kippt

Parallel zur Debatte um Governance zeigte der Markt diese Woche erste Ermüdungserscheinungen. Nach sieben Tagen mit Nettozuflüssen von zusammen fast einer Milliarde Dollar verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs zuletzt Abflüsse von 225,2 Millionen Dollar – angeführt von BlackRocks IBIT-Fonds. Auslöser war die Nervosität an den Aktienmärkten wegen der andauernden Spannungen zwischen den USA und Iran, die den Ölpreis oben halten und Bitcoin zeitweise unter die Marke von 65.000 Dollar drückten.

Der Crypto Fear & Greed Index rutschte auf 28 Punkte ab, den niedrigsten Stand des Monats. Ethereum-Fonds blieben von der Flucht verschont und verzeichneten weitere Zuflüsse – ein Hinweis darauf, dass Kapital innerhalb der Kryptomärkte umgeschichtet wird, statt sie komplett zu verlassen.

Altlasten aus der Mining-Branche

Im Hintergrund sorgt ein weiterer Fall für Erinnerungen an frühere Krisenjahre: Poolin Technology, einst Betreiber eines der größten Bitcoin-Mining-Pools überhaupt, hat in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Auf dem Höhepunkt kontrollierte das Unternehmen fast ein Fünftel der globalen Hashrate, bevor 2022 eingefrorene Auszahlungen und wertlose IOU-Tokens das Vertrauen zerstörten. Rund 11.700 Nutzer warten weiterhin auf eine Entschädigung von 163,7 Millionen Dollar, die größtenteils aus der Versteigerung zweier texanischer Mining-Standorte finanziert werden soll – ein Startgebot von 52 Millionen Dollar deckt davon bislang nur einen Bruchteil.

Die kommende Woche dürfte für die Marktrichtung entscheidender sein als Hoskinsons Kritik oder die Poolin-Pleite: Die Federal Reserve tagt am 28. und 29. Juli, und ihre Zinsentscheidung wird zeigen, ob sich die ETF-Abflüsse als einmaliger Ausrutscher oder als Trendwende erweisen.

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