Bitcoin: Politik zündet Rally

Bitcoin springt dank US-Signalen und Liquidierungswelle auf 72.000 Dollar. Politische Unterstützung und Regulierungspläne beflügeln den Markt.

Auf einen Blick:
  • Kursanstieg um zwölf Prozent
  • Short-Liquidationen im Milliardenbereich
  • US-Finanzministerium weitet Anleiherückkäufe aus
  • Trump-Treffen mit Krypto-Führungskräften

Ein Treffen im Weißen Haus, eine Ankündigung aus dem US-Finanzministerium und eine Welle geplatzter Wetten — diese Kombination hat den Bitcoin-Kurs innerhalb weniger Stunden aus der sommerlichen Lethargie gerissen. Die Kryptowährung sprang zeitweise um fast zwölf Prozent und kletterte über die Marke von 70.000 Dollar, mit einem Tageshoch bei rund 72.000 Dollar. Seit vergangenem Freitag steht damit ein Plus von mehr als elf Prozent zu Buche.

Zwangsverkäufer treiben den Kurs

Der eigentliche Brandbeschleuniger war technischer Natur. Spekulanten hatten in großem Stil auf fallende Kurse gesetzt — und wurden von der plötzlichen Wende kalt erwischt. Binnen 24 Stunden mussten Short-Positionen im Volumen von rund 2,7 Milliarden Dollar zwangsliquidiert werden, gut die Hälfte davon allein bei Bitcoin. Solche Kaskaden verstärken Kursbewegungen zusätzlich, weil geschlossene Short-Positionen selbst wie Käufe wirken.

Ausgelöst wurde die Bewegung durch geldpolitische Signale aus Washington. Das US-Finanzministerium kündigte an, sein Rückkaufprogramm für langlaufende Staatsanleihen deutlich auszuweiten — statt bislang maximal zwei Milliarden Dollar sollen künftig mindestens vier Milliarden Dollar pro Transaktion möglich sein.

Hintergrund ist der Anstieg der Rendite 30-jähriger US-Anleihen auf den höchsten Stand seit 2007. Der Markt wertete die Reaktion der Regierung als Hinweis auf lockerere Finanzbedingungen und schickte den Dollar auf ein Drei-Monats-Tief — ein klassisches Umfeld, in dem Anleger in alternative Sachwerte wie Bitcoin ausweichen.

Trump trifft Krypto-Branche

Parallel dazu sorgte ein Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Branchenvertretern für zusätzlichen Auftrieb. Führungskräfte von Coinbase, Ripple und Gemini kamen ins Weiße Haus, wo Trump eine stärkere Unterstützung der Kryptobranche in Aussicht stellte und auf eine zügige Verabschiedung des Regulierungsgesetzes CLARITY Act drängte. Er betonte zudem, Amerika müsse seine Führungsrolle gegenüber China in Bitcoin, Krypto und Künstlicher Intelligenz verteidigen — und sprach erneut davon, dass die Regierung den Aufbau einer staatlichen Bitcoin-Reserve prüfe.

Die entscheidende Verfahrensabstimmung zum CLARITY Act im US-Senat wird frühestens für den 15. September 2026 erwartet. Die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr wird von Beobachtern lediglich auf 10 bis 20 Prozent taxiert. Das Treffen im Weißen Haus lieferte also kein fertiges Gesetz, sondern vor allem ein politisches Signal.

Auch der Rest des Kryptomarkts profitierte kräftig: Ethereum legte zeitweise knapp 20 Prozent auf rund 2.280 Dollar zu, die Handelsplattform-Währung Hyperliquid sprang um bis zu 26 Prozent.

Trotz des Kurssprungs bleibt die Jahresbilanz von Bitcoin und Ethereum weiterhin deutlich im Minus. Geoffrey Kendrick, Leiter der Research-Abteilung für digitale Vermögenswerte bei Standard Chartered, hält dennoch einen Anstieg auf 100.000 Dollar bis Ende 2026 für möglich.

Ob diese Prognose eintrifft, hängt maßgeblich davon ab, ob aus dem politischen Signal aus Washington tatsächlich regulatorische Substanz wird. Bis zur Senatsabstimmung im September dürfte der Markt jede weitere Äußerung aus dem Weißen Haus und von der SEC genau verfolgen.

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