Monatelang sah es nicht gut aus für Bitcoin. Sechs Wochen Konsolidierung zwischen 60.000 und 70.000 Dollar, mehrere gescheiterte Versuche, sich oberhalb von 72.000 Dollar festzusetzen, und ein Wimpelmuster im Tageschart, das die Bären zu bestätigen schien. Dann kam Freitag.
Bitcoin durchbrach die obere Trendlinie des Wimpels bei 70.000 Dollar und schoss vorübergehend um rund 7 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 73.300 Dollar. Das Volumen stieg dabei mit, was der Bewegung Glaubwürdigkeit gibt. Am Samstagmorgen hat der Kurs zwar wieder etwas auf 72.757 USD nachgegeben. Aber die Tendenz stimmt.
Gleichzeitig hat der Krypto die wichtigsten gleitenden Durchschnitte zurückerobert: den 200-Wochen-EMA bei 68.350 Dollar, den 20-Tage-EMA bei 69.520 Dollar und den 50-Tage-EMA bei 70.580 Dollar. Wer technische Analyse ernst nimmt, muss das als klares Signal werten.
Bitcoin/US-Dollar Chart
87.000 Dollar als theoretisches Ziel
Das gebrochene Wimpelmuster öffnet nun die Tür zu einem symmetrischen Dreieck als übergeordneter Formation. Symmetrische Dreiecke lösen sich auf, indem der Kurs nach dem Ausbruch um die maximale Höhe des Musters weiterläuft. In Bitcoins Fall wären das rund 87.000 Dollar, also gut 20 Prozent über dem aktuellen Niveau. Demnach zeigt auch der RSI eine bullische Divergenz, die sich über die letzten zwei Monate aufgebaut hat.
Das nächste konkrete Hindernis liegt beim 100-Tage-EMA nahe 75.400 Dollar. Eine Ablehnung dort würde den Ausbruch erheblich schwächen.
Glassnode sieht Deckel bei 80.000 Dollar
Onchain-Daten zeichnen ein etwas nüchterneres Bild. Glassnode identifiziert eine ausgeprägte Widerstandszone zwischen dem True Market Mean bei 78.000 Dollar und dem Kostenbasis-Niveau der Kurzfristhalter bei rund 80.000 Dollar. „Dies ist eine besonders bedeutsame Schwelle“, schreibt Glassnode in seinem aktuellen Week Onchain Newsletter und verweist darauf, dass Erholungsversuche in 2023 genau dort gestoppt wurden.
Die URPD-Daten zeigen allerdings, dass Bitcoin zwischen 72.000 und 82.000 Dollar in eine relativ offene Zone eingetreten ist, wo weniger Widerstand lauert. Oberhalb von 82.000 bis 85.000 Dollar haben Investoren mehr als 1,3 Millionen BTC akkumuliert. Da wird es dann wieder eng.
Polymarket dreht bullish
Auf Polymarket, dem kryptobasierten Prognosemarkt, weht inzwischen ein anderer Wind. 76 Prozent Wahrscheinlichkeit für 75.000 Dollar im April, 26 Prozent für 80.000 Dollar, ein Anstieg von 5 Prozentpunkten binnen 24 Stunden. Gleichzeitig sinken die Wetten auf einen Rückfall unter 65.000 Dollar. Die Crowd trimmt ihre Absicherungen.
Die Makroökonomie hilft dabei ein wenig mit. Der US-Kern-CPI stieg im März nur um 0,2 Prozent zum Vormonat, was der Fed Spielraum gibt, die Zinsen vorerst unverändert zu lassen. Der Markt preist laut CME eine 98-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause am 29. April ein. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 9. April Nettomittelzuflüsse von 343 Millionen Dollar, das Gesamtvermögen liegt bei rund 93,2 Milliarden Dollar.
Der Fear-and-Greed-Index steht noch immer bei 16, tief in der Zone „Extreme Fear“. Seit fast zwei Monaten. Manchmal ist das eben der beste Zeitpunkt zum Kaufen, und manchmal nicht.
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