Ein Firmware-Fehler aus dem Jahr 2021 sorgt fünf Jahre später für einen der größten Diebstähle in der Geschichte der Bitcoin-Selbstverwahrung. Sicherheitsforscher von Galaxy Research melden inzwischen einen Schaden von rund 88,6 Millionen Dollar – und der Angriff läuft nach eigenen Angaben weiter. Wer seine Bitcoin auf einem betroffenen Gerät hält, soll die Coins umgehend verschieben.
Coldcard-Lücke weitet sich aus
Am Samstag identifizierte Galaxy Research eine dritte Angriffswelle: 207,73 BTC wurden zusätzlich abgezogen, die beobachtete Gesamtsumme kletterte auf etwa 1.367 BTC aus 4.585 Adressen. Das Unternehmen hat rund 600 verdächtige Angreifer-Adressen an Ermittlungsbehörden und Compliance-Firmen gemeldet.
Der Fehler steckt in einem Firmware-Update der Hardware-Wallet Coldcard vom März 2021. Es erzeugte Wiederherstellungsphrasen mit zu wenig Zufall – private Schlüssel ließen sich dadurch berechnen, ohne je ein Gerät zu berühren. Galaxy-Forschungschef Alex Thorn geht davon aus, dass die Abbuchungen programmatisch ablaufen, womöglich mithilfe eines Sprachmodells, und dass jede betroffene Adresse früher oder später leergeräumt wird. Auffällig: Die gestohlenen Coins lagen im Schnitt 3,18 Jahre unangetastet – die Opfer waren überwiegend langfristige Halter.
Die Folge ist eine Kehrtwende, die dem Ethos der Branche widerspricht. Viele Betroffene räumen ihre Bitcoin von selbstverwalteten Adressen und bringen sie zurück auf Börsen wie Coinbase oder Binance. „Not your keys, not your coins“ weicht kurzfristig der Sicherheit zentraler Verwahrer. Die gestohlenen Gelder selbst liegen bislang unbewegt in den Adressen der Angreifer.
Kurs hält sich trotz Abflüssen
Der Kurs zeigte sich von der Schlagzeile bislang wenig beeindruckt. Bitcoin notierte am Sonntagmorgen bei rund 63.065 Dollar, nachdem er zuvor kurzzeitig unter die Marke von 63.000 Dollar gerutscht war.
Technisch verläuft die Notierung zwischen einer Unterstützung um 62.280 Dollar und einem Widerstandsband bei 64.200 bis 64.500 Dollar.
Die Fondsflüsse liefern kein einheitliches Bild. Zuletzt zogen Anleger binnen eines Handelstags 265 Millionen Dollar aus den amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs ab, angeführt von BlackRock mit rund 123 Millionen Dollar. Nur eine Sitzung zuvor waren noch 233 Millionen Dollar frisches Kapital in dieselben Produkte geflossen. Der Juli schloss dennoch mit einem Nettoplus von 172 Millionen Dollar.
Trump Media baut Bitcoin-Position ab
Parallel dazu bewegte sich eine prominente Position: Wallets, die Trump Media und Technology Group zugeordnet werden, überwiesen am Samstag 2.628 BTC im Gegenwert von rund 165 Millionen Dollar an die Börse Crypto.com. Onchain-Daten belegen nur den Transfer, nicht zwingend einen Verkauf – nach einer ähnlichen Bewegung im Mai hatte das Unternehmen erklärt, Bitcoin lediglich zu verschieben, nicht zu verkaufen.
In den öffentlich zugeordneten Wallets verbleiben danach rund 4.261 BTC – ein Wert nahe an der Summe, die als Sicherheit für Wandelanleihen mit Fälligkeit 2028 dient.
Für die Woche bleibt die Gemengelage unverändert: Ein wachsender Wallet-Diebstahl belastet das Vertrauen in die Selbstverwahrung, während Kurs und ETF-Flüsse in einer engen Spanne verharren. Rutscht Bitcoin unter die Unterstützung bei 62.280 Dollar, rückt die Zone um 60.000 Dollar in den Fokus.
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