Bitcoin: Mehr Verkaufsspielraum als gedacht

Strategys jüngster Bitcoin-Verkauf offenbart mehr Spielraum als die offizielle Deckelung vermuten lässt. Analysten diskutieren die Folgen für Aktionäre.

Auf einen Blick:
  • Verkauf von 3.588 Bitcoin
  • Höhere Kapazität durch Ausnahmen
  • Marktkapitalisierung stark gefallen
  • Fed-Protokolle als nächster Impuls

Ein Verkauf, drei Interpretationen: Für die einen ist er nur ein technisches Detail der Bilanzsteuerung, für andere das erste Warnsignal einer Firma, die künftig regelmäßiger Bitcoin abgeben könnte. Analysten sind sich uneins, was Strategys jüngster Verkauf wirklich bedeutet — und wie viel Spielraum das Unternehmen tatsächlich noch hat.

Vergangene Woche trennte sich Strategy von 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar — erst der dritte Verkauf in der Firmengeschichte. CF Benchmarks ordnet den Schritt als Signal ein: Die Bilanz zeige, dass Strategy zahlen könne, der Verkauf zeige nun, ob das Management dazu auch bereit sei. Für Stammaktionäre wirke das wie Verwässerung, für Halter der Vorzugsaktie STRC eher wie Absicherung, so die Einschätzung des Analystenhauses.

Wachsender Spielraum trotz Kappung

Offiziell begrenzt das neue BTC Monetization Program künftige Bitcoin-Verkäufe zur Reservebildung auf 1,25 Milliarden Dollar. Die Dollar-Reserve selbst liegt inzwischen bei 2,55 Milliarden Dollar, hinzu kommen zwei separate Rückkaufprogramme für Vorzugs- und Stammaktien im Volumen von jeweils einer Milliarde Dollar.

VanEck-Analyst Matthew Sigel weist jedoch darauf hin, dass die Deckelung nur für reservebezogene Verkäufe gilt. Bitcoin, das direkt zur Finanzierung von Dividendenzahlungen verkauft wird, fällt nicht unter diese Grenze — Strategy verfügt damit über mehr Verkaufskapazität, als die Kappungssumme suggeriert. CF Benchmarks beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin auf jenes Niveau fällt, an dem Strategys Reserven die modellierten Verpflichtungen gerade noch decken, auf lediglich 2,5 Prozent.

Der eigentliche Risikofaktor liegt für die Analysten woanders: in der Bewertung der gesamten Digital-Asset-Treasury-Branche. Strategys Marktkapitalisierung liegt inzwischen rund 79 Prozent unter dem Hoch vom Sommer 2025, die sogenannte Enterprise-mNAV-Kennzahl ist auf 1,07 geschrumpft — ein Hinweis darauf, dass der Markt der Aktie kaum noch einen Aufschlag auf den reinen Bitcoin-Bestand zugesteht.

Markt wartet auf Fed-Protokolle

Der breitere Kryptomarkt zeigt sich derweil ungewöhnlich ruhig. Bitcoin bewegt sich um die 63.000-Dollar-Marke, während heute Abend um 20:00 Uhr MESZ die Protokolle der Juni-Fed-Sitzung veröffentlicht werden. On-Chain-Daten zeigen zugleich, dass Großanleger seit der Rückkehr über die 60.000-Dollar-Marke rund 49.000 Bitcoin auf Börsen-Wallets verschoben haben — ein potenzielles Verkaufsangebot von etwa 3,1 Milliarden Dollar, sollte sich der Druck nach der Protokoll-Veröffentlichung entladen.

Fällt der Ton der Fed-Protokolle breiter hawkisch aus, dürfte das Bitcoin zusätzlich belasten. Zeigt sich dagegen ein gespaltenes Komitee, könnte der Markt das als Entlastung werten — ein Test, der zusammen mit der ungeklärten Frage nach Strategys künftigem Verkaufsverhalten die Richtung der kommenden Tage bestimmen dürfte.

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