Ein Wochenende mit dünner Liquidität, ein Preis knapp unter 80.000 Dollar und über 800 Millionen Dollar an zwangsgeschlossenen Positionen: Bitcoin hat vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Federn gelassen. Inzwischen hat sich der Kurs wieder bei rund 80.800 Dollar stabilisiert.
Hebel treiben den Rücksetzer
Am Samstag rutschte Bitcoin zeitweise auf 79.146 Dollar, den tiefsten Stand seit mehr als einem Monat. Den Großteil der Verluste trugen Anleger mit gehebelten Wetten auf steigende Kurse. Binnen 24 Stunden wurden Positionen im Wert von rund 815 Millionen Dollar liquidiert, gut 200.000 Händler waren betroffen.
Besonders heftig fiel ein Vier-Stunden-Fenster am Vormittag US-Zeit aus. Long-Liquidationen von rund 402 Millionen Dollar waren der höchste Wert seit dem 14. Oktober. Bei Bitcoin entfielen mehr als 94 Prozent der Liquidationen auf Long-Positionen.
Technisch hat der Kurs die 50-Tage-Linie bei etwa 81.700 Dollar verloren. Als Unterstützung gelten Marken um 78.400 und 77.876 Dollar.
ETF-Abflüsse und Makrosorgen
Auch die US-Spot-ETFs lieferten keinen Rückenwind. Am Freitag flossen knapp 138 Millionen Dollar ab, nach noch deutlicheren Abflüssen am Donnerstag. Die Wochenbilanz blieb dank starker Zuflüsse zu Wochenbeginn dennoch positiv.
Die Makrolage belastet zusätzlich. Die US-Inflation zog im September auf 3,7 Prozent, Marktteilnehmer spekulieren seither auf eine weitere Zinserhöhung. Hinzu kommt ein Ölpreis über 117 Dollar je Barrel im Zuge des Iran-Kriegs. Höhere Zinsen stärken den Dollar und dämpfen die Nachfrage nach riskanteren Anlagen.
BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes sorgte am Samstag für Aufmerksamkeit. Er habe das direktionale Buch seines Family Office aufgelöst und warte an der Seitenlinie auf ein Entwarnungssignal. Seine Begründung: Makro und Geopolitik sähen „ein bisschen heikel“ aus.
Treasury-Unternehmen unter Finanzierungsdruck
Unternehmen mit Bitcoin-Bestand müssen Käufe und Verpflichtungen austarieren. Vorzugsaktien finanzierten laut Fidelity Digital Assets seit 2025 den Kauf von rund 136.000 Bitcoin. Strategy gab zuletzt 193 Millionen Dollar für den Rückkauf von Vorzugsaktien aus, erwarb aber nur 267 Bitcoin. Laufende Dividenden könnten künftige Zukäufe bremsen.
Der Blick nach vorn
Die Fed tagt am 27. und 28. Oktober. Hält sie sich eine Zinserhöhung offen, dürfte der Druck auf Bitcoin anhalten. Langfristig orientierte Beobachter verweisen auf das Juli-Tief bei rund 57.800 Dollar: Hält diese Zone, wäre das nach Halving-Zyklusmustern ein Hinweis auf ein Ende des Bärenmarkts. Die nächsten US-Verbraucherpreise folgen am 10. November.
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