Ein Ethereum-Forscher schlägt Alarm: Künstliche Intelligenz könnte die Verschlüsselung hinter Bitcoin knacken, bevor Quantencomputer dazu in der Lage sind. Die Warnung trifft einen Markt, der ohnehin unter dem Niveau der vergangenen Tage notiert.
Drake fordert „Bunker Mode“
Justin Drake, Forscher bei der Ethereum Foundation, rief die Branche am Mittwoch auf, ruhig mit der Planung eines „Bunker Mode“ zu beginnen. Seine Empfehlung: eine kontrollierte Massenmigration von Guthaben auf frische Adressen, deren öffentliche Schlüssel hinter einem Hash verborgen bleiben.
Der Hintergrund liegt im Signaturverfahren ECDSA, das Bitcoin und Ethereum nutzen. Signiert eine Wallet eine Transaktion, wird ihr öffentlicher Schlüssel sichtbar. Ließe sich ECDSA brechen, könnte ein Angreifer daraus den privaten Schlüssel ableiten und die Wallet leeren.
Drake hält es für vertretbar, sich auf einen solchen Bruch schon vor dem sogenannten Q-Day einzustellen, „im schlimmsten Fall in Monaten, nicht Jahren“. Als Beleg verweist er auf eine Welle KI-gestützter mathematischer Resultate, darunter 722 Ergebnisse, die OpenAI am Dienstag veröffentlicht hat. Elliptische Kurven seien besonders verwundbar.
Panik will er nicht schüren. Das Verschieben von Guthaben erfordere weder neue Kryptografie noch neue Wallets. Börsen und Verwahrer wie Binance, Bitfinex, Robinhood und Tether sollten allerdings ihre Cold Storage härten.
„Satoshis Schutzschild“
Besonders brisant ist Drakes Hinweis auf rund 20.000 offen liegende Adressen, die dem Bitcoin-Erfinder zugeschrieben werden und je 50 Bitcoin halten. Sie dürften nach seiner Einschätzung zuerst ins Visier geraten. Wallets mit weniger als 50 Bitcoin genössen dadurch einen gewissen Teilschutz.
Die Warnung markiert eine deutliche Verschärfung der Debatte. Im März hatte Drake nach einer Google-Studie die Wahrscheinlichkeit eines Q-Day bis 2032 auf mindestens zehn Prozent beziffert. Die Ethereum Foundation hat inzwischen ein eigenes Post-Quanten-Team aufgebaut, und Vitalik Buterin skizziert den Umstieg auf quantenresistente Verfahren.
Institutionelle Infrastruktur wächst weiter
Parallel dazu entsteht neue Infrastruktur rund um Bitcoin. Auf der Blockchain Sui geht das Protokoll Hashi noch im Oktober schrittweise an den Start, abgesichert durch Kapitalzusagen von mehr als 500 Millionen Dollar. Anchorage Digital stößt als Partner dazu und öffnet institutionellen Kunden den Zugang.
Das Konzept: Bitcoin bleibt im Bitcoin-Netzwerk, dient aber über Smart Contracts als Sicherheit für Kredite, ohne verkauft werden zu müssen. Börsennotierte Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz könnten so Liquidität erschließen.
Der Kurs gab zuletzt um rund 1,6 Prozent nach und lag bei etwa 83.400 Dollar. Für das nächste Halving, das voraussichtlich zwischen April und Juli 2028 ansteht, bleibt noch reichlich Zeit. Kurzfristig dürfte die Frage der Schlüsselsicherheit die Diskussion prägen, vor allem bei den von Drake genannten Börsen und Verwahrern.
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