Bitcoin rutschte am Montag im asiatischen Handel auf 74.541 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten. Die Kryptowährung bewegte sich damit gefährlich nahe an ihr Niveau vom 7. April heran, als sie bei 74.425 Dollar notierte – kurz nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus vor etwas mehr als einem Jahr. Zur Mittagszeit in Singapur (Ortszeit) notierte Bitcoin weiterhin unter 76.000 Dollar.
Der Januar brachte einen Verlust von fast 11 Prozent. Damit verzeichnete Bitcoin den vierten monatlichen Rückgang in Folge. Eine solch lange Verlustserie gab es zuletzt 2018, als die Märkte nach dem Boom der Initial Coin Offerings zusammenbrachen. Die aktuelle Schwäche steht im Kontext breiter Marktturbulenzen, wobei auch Gold am Montag weiter fiel, nachdem es Ende vergangener Woche seinen stärksten Einbruch seit über einem Jahrzehnt erlebt hatte.
Liquidationen verstärken den Abwärtsdruck dramatisch
Am Samstag wurden nach Daten von Coinglass innerhalb weniger Stunden über 850 Millionen Dollar an Long-Positionen ausgelöscht. Insgesamt summierten sich die Liquidationen auf nahezu 2,5 Milliarden Dollar. Diese Zwangsverkäufe entstehen, wenn Trader mit geliehenem Geld auf steigende Kurse setzen und der Preis eine bestimmte Schwelle unterschreitet. Börsen verkaufen dann automatisch die Bestände, um die Schulden zu begleichen.
Dieser Mechanismus erzeugt einen Dominoeffekt: Erzwungene Verkäufe drücken die Preise weiter nach unten, was wiederum weitere Liquidationen auslöst. Knapp 200.000 Trader sahen ihre Konten am Samstag komplett ausgelöscht. In den vergangenen zwölf Stunden folgte eine weitere Welle mit 510 Millionen Dollar an liquidierten Positionen, wobei Long-Trades mit 391,6 Millionen Dollar den Großteil ausmachten.
Bitcoin/USD Chart
Experten warnen vor psychologisch wichtiger Marke
Caroline Mauron, Mitgründerin von Orbit Markets, sieht Bitcoin laut Bloomberg an kritischen Niveaus: „Bitcoin nähert sich den Ständen vom April 2025 nach dem Liberation Day. Ein weiterer Rückgang durch die 2021er-Hochs um 70.000 Dollar würde einen schädlichen Vertrauensverlust für die langfristige Perspektive bedeuten.“ Andere Kryptowährungen zeigten sich ebenfalls schwach. Ether verlor 2,9 Prozent, Solana gab 1,2 Prozent nach.
Zwischenzeitlich erholte sich Bitcoin kurz über 75.000 Dollar in einer V-förmigen Bewegung, was die dünne Liquidität verdeutlicht. Diese verstärkt sowohl Verluste als auch kurzfristige Gewinne erheblich. Kleinere Token verzeichneten über 24 Stunden noch deutlichere Rückgänge: Ether fiel um mehr als 8 Prozent, während BNB, XRP und Solana zwischen 4 und 6 Prozent verloren.
Anleger dürften nun genau beobachten, wie sich Bitcoin rund um die psychologisch wichtige 70.000-Dollar-Marke verhält. Das Ungleichgewicht zwischen liquidierten Long- und Short-Positionen deutet darauf hin, dass viele Marktteilnehmer weiterhin auf steigende Kurse gesetzt hatten. Sollte die dünne Liquidität anhalten, könnten weitere Schwankungen die Märkte in beide Richtungen bewegen.
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