Während Bitcoin an der Marke von 65.000 Dollar kratzt, hat Japans Parlament am Mittwoch eine Reform verabschiedet, die den Markt langfristig prägen könnte. Der Kurs selbst bleibt indes ein Spiel mit politischen Unsicherheiten — vom Fed-Testimony bis zum Streit um das US-Kryptogesetz CLARITY Act.
Tokio senkt die Steuerlast auf Krypto
Das japanische Parlament hat Änderungen am Gesetz über Finanzinstrumente verabschiedet und Kryptowährungen damit erstmals als eigenständige Kategorie von Finanzprodukten eingestuft — vergleichbar mit Aktien und Anleihen. Bisher galten digitale Assets in Japan lediglich als Zahlungsmittel.
Die Reform bringt striktere Insiderhandelsverbote, verpflichtende Jahresberichte für Emittenten und schärfere Strafen für unregistrierte Anbieter mit sich: Die Höchststrafe steigt von drei auf zehn Jahre Haft. Steuerlich dürfte die Änderung deutlich mehr Gewicht haben. Krypto-Gewinne, die bislang mit bis zu 55 Prozent besteuert wurden, sollen künftig pauschal mit rund 20 Prozent belegt werden, ergänzt um einen dreijährigen Verlustvortrag. Die Reform soll ab dem Fiskaljahr 2027 greifen, die Steuerentlastung selbst voraussichtlich ab Januar 2028.
Die Tokioter Börse JPX prüft zudem, ab 2027 erste Krypto-ETFs zu listen — eine Zulassung für Bitcoin-Produkte ist damit aber noch nicht bestätigt.
Washington und London ziehen nach
Auch jenseits Japans bewegt sich die Regulierung. Die US-Regierung und Großbritannien haben zehn gemeinsame Empfehlungen zur Angleichung von Stablecoin- und Tokenisierungsregeln veröffentlicht, ausgearbeitet von einer Taskforce, die Finanzministerin Rachel Reeves und US-Finanzminister Scott Bessent im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hatten. Bindend sind die Vorschläge nicht, sie sollen aber Behörden wie SEC, CFTC und die Bank of England auf einen gemeinsamen Kurs bei tokenisierten Wertpapieren und stablecoin-gedeckten Sicherheiten einschwören.
Die USA implementieren parallel den GENIUS Act mit Wirkung ab 2027, während Großbritanniens eigenes Kryptoregime im Oktober 2027 greifen soll. Beide Länder versuchen damit, zur EU aufzuschließen, deren MiCA-Regeln bereits seit Ende 2024 vollständig in Kraft sind.
Warsh vor dem Senat, CLARITY Act wackelt
Der Kursverlauf bleibt unterdessen von US-Innenpolitik getrieben. Bitcoin notierte am Mittwochmorgen bei rund 64.650 Dollar, ein Tagesplus von etwa 3 Prozent, und näherte sich damit der technisch wichtigen Zone zwischen 64.700 und 65.000 Dollar. Auslöser war ein schwächer als erwartet ausgefallener US-Inflationsbericht, der die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Juli auf einstellige Prozentwerte drückte.
Fed-Chef Kevin Warsh bremste die Euphorie bereits am Dienstag und will aus einem einzelnen Datenpunkt keine geldpolitischen Schlüsse ziehen. Am Nachmittag tritt er vor dem Senate Banking Committee auf — nach Einschätzung von Marktbeobachtern der schwierigere der beiden Kongress-Auftritte dieser Woche, da dort krypto-kritische Senatoren wie Elizabeth Warren sitzen.
Zusätzlichen Gegenwind liefert der CLARITY Act: Mehrere Senate-Demokraten bezeichneten das Gesetz öffentlich als „korrupt“ und verwiesen auf private Krypto-Einnahmen von Präsident Trump in Höhe von mehr als 1,4 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Die für die Woche ab dem 20. Juli geplante Abstimmung im Plenum steht damit infrage, der Senat hat rechnerisch bis zum 7. August Zeit. Hinzu kommt ein On-Chain-Signal: Die US-Regierung transferierte am Dienstag beschlagnahmte Bitcoin im Wert von rund 244 Millionen Dollar an Coinbase Prime — ein Schritt, der historisch auf mögliche Verkäufe hindeutet.
Zwischen 16:00 und 18:00 Uhr MESZ dürfte sich entscheiden, wie belastbar die aktuelle Rally ist. Bestätigt Warsh vor dem Senat den gemäßigten Ton aus seinem Auftritt am Vortag, hat Bitcoin gute Chancen, die 65.000-Dollar-Marke nachhaltig zu überwinden. Verschärft er seine Rhetorik unter dem Druck der Ausschussmitglieder, dürfte der Kurs schnell wieder unter 63.000 Dollar zurückfallen.
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