Zwei Wochen in Folge fließt wieder Kapital in die US-Spot-Bitcoin-ETFs – zum ersten Mal seit Anfang Mai. Das klingt nach einer Wende. Verglichen mit dem Schaden der vorangegangenen Monate ist es aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
ETF-Zuflüsse: Ein Bruchteil des Verlorenen
In der Woche bis zum 17. Juli sammelten die 13 US-Spot-Bitcoin-Fonds netto 75,7 Millionen Dollar ein, nach 197,4 Millionen Dollar in der Vorwoche. Zusammen macht das 273,1 Millionen Dollar in zwei Wochen.
Davor lagen acht Wochen mit ununterbrochenen Abflüssen, die mehr als 8,2 Milliarden Dollar aus den Fonds zogen. Allein der Juni kostete rund 4,5 Milliarden Dollar – der schwächste Monat seit dem Start dieser Produkte. Selbst innerhalb der jüngsten Erholung zeigte sich am Montag die Nervosität: Nach neu aufgeflammten Spannungen zwischen den USA und dem Iran flossen an einem einzigen Tag 424,7 Millionen Dollar ab, der größte Tagesabfluss seit Ende Juni. Die Fonds verwalten inzwischen zusammen 77,7 Milliarden Dollar – deutlich weniger als die über 106 Milliarden Dollar kurz vor Beginn der Abflussserie Mitte Mai.
Der Blick auf Gold als Blaupause
Bloomberg-Intelligence-Analyst Eric Balchunas zieht eine Parallele zu Gold-ETFs, die vielen Bitcoin-Anlegern gerade helfen dürfte, den Ausverkauf einzuordnen. Der Goldfonds GLD überholte 2011 kurzzeitig sogar den größten Aktien-ETF der Welt, bevor acht magere Jahre folgten. BlackRocks Bitcoin-ETF IBIT knackte im Oktober die Marke von 100 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen – fast zeitgleich mit dem Bitcoin-Allzeithoch von 126.198 Dollar. Seither hat Bitcoin rund die Hälfte seines Werts verloren und notiert aktuell nahe 64.000 Dollar.
BlackRock musste dabei fast 100.000 BTC verkaufen, um Rücknahmen zu bedienen, und hält nun noch gut 733.000 BTC. Citigroup zieht daraus eine deutlich skeptischere Schlussfolgerung: Die Bank senkte ihr Zwölf-Monats-Kursziel von 112.000 auf 82.000 Dollar und strich ihre Prognose für künftige ETF-Zuflüsse komplett – von zuvor erwarteten 10 Milliarden Dollar auf null. Begründet wird das mit den negativen Mittelflüssen, ins Stocken geratener US-Kryptogesetzgebung und schwindendem institutionellem Interesse.
Strategy zahlt mit Aktien, nicht mit Bitcoin
Während der Markt über die ETF-Richtung streitet, hält Strategy an seiner Linie fest. Das Unternehmen verkaufte zwischen dem 13. und 19. Juli rund 2,7 Millionen eigene Aktien und erlöste daraus 263,5 Millionen Dollar, die vollständig in die sogenannte USD Reserve flossen – jenen Kassenpuffer, der Dividenden an Vorzugsaktionäre und Schuldendienst sichert. Die Reserve steht nun bei 3,225 Milliarden Dollar, binnen zwei Wochen um 675 Millionen Dollar gewachsen, ganz ohne einen einzigen verkauften Bitcoin. Der Bestand bleibt bei 843.775 BTC, etwa vier Prozent der maximal verfügbaren Menge.
Kritiker wie der langjährige Bitcoin-Skeptiker Peter Schiff werten das als Belastung für die gewöhnlichen Aktionäre, die durch die Aktienverkäufe verwässert werden, während Vorzugsaktionäre bevorzugt bedient werden. Bei einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.476 Dollar je Coin sitzt Strategy derzeit auf einem unrealisierten Buchverlust von rund 9,6 Milliarden Dollar.
Streit um die Blockchain selbst
Parallel dazu wächst intern Widerstand gegen einen technischen Vorschlag namens BIP-110, der datenintensive Transaktionen auf der Bitcoin-Blockchain einschränken soll. Michael Saylor warnt vor der vorgesehenen Aktivierungsschwelle von nur 55 Prozent Netzwerkzustimmung – eine zu niedrige Hürde, die im schlimmsten Fall zu einer Spaltung der Blockchain führen könnte. Die entscheidende Phase soll im August beginnen, die aktuelle Unterstützung liegt aber noch deutlich unter dem nötigen Wert.
Die kommenden Wochen bringen gleich mehrere Prüfsteine zusammen: das Fed-Meeting am 28. und 29. Juli unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh und die Frage, ob sich die zarte ETF-Erholung fortsetzt oder erneut kippt.
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