Die US-Spot-Bitcoin-ETFs haben gestern netto 635,6 Mio. US-Dollar verloren. Damit endete eine dreitägige Zuflussserie, und die Oktoberbilanz rutschte wieder ins Minus. Der abrupte Wechsel zeigt: Die zuletzt zurückgekehrte Nachfrage über börsengehandelte Fonds bietet Bitcoin bislang keinen verlässlichen Rückhalt gegen die Risikoaversion an den Finanzmärkten.
Heute stabilisiert sich die Kryptowährung nach dem Verkaufsdruck zunächst. Die Belastungen reichen allerdings über den Kryptomarkt hinaus. Sorgen um die Rentabilität hoher KI-Investitionen drücken auf Technologieaktien. Gleichzeitig verschärfen steigende Ölpreise und Spannungen im Nahen Osten die Unsicherheit vor der nächsten Zinsentscheidung der US-Notenbank.
Fondskäufe erweisen sich als wenig beständig
In den drei vorherigen Handelssitzungen hatten die Bitcoin-Fonds zusammen 1,0747 Mrd. US-Dollar eingesammelt. Nach dem gestrigen Rückzug liegt die Oktoberbilanz bei minus 175,6 Mio. US-Dollar. Die kurze Erholung der Kapitalflüsse hat damit nicht ausgereicht, um die Monatsbilanz dauerhaft zu drehen.
Für Anleger ist vor allem dieser Richtungswechsel relevant. Die jüngsten Käufe signalisierten zwar erneutes Interesse an Bitcoin. Sie verhinderten aber weder den Rückschlag nach dem Technologieabverkauf noch einen schnellen Wechsel zurück zu Fondsverkäufen. Positive Zuflüsse allein waren somit kein belastbares Signal für einen nachhaltigen Kursanstieg.
Die größten Abflüsse entfielen auf BlackRocks IBIT mit 254,1 Mio. US-Dollar und Fidelitys FBTC mit 217,5 Mio. US-Dollar. Auch mehrere weitere Produkte verzeichneten Mittelabzüge.
Analyse warnt vor verstärktem Verkaufsdruck
DWF Labs sieht einen Zusammenhang zwischen Kursrückgängen und schwächeren ETF-Flüssen. In der untersuchten Historie verschlechterten sich die Kapitalströme häufig, sobald Bitcoin deutlich unter sein jüngstes Hoch zurückfiel. Die Beobachtung liefert einen möglichen Risikohinweis, aber keine statistische Gewissheit über den weiteren Verlauf.
Konkret untersuchte DWF Labs Schlusskurse rund 7 % unter dem jeweils jüngsten Zwanzigtagehoch. In 19 von 24 Fällen verschlechterten sich anschließend die Fondsflüsse. Die jüngsten Abzüge setzten allerdings bereits ein, bevor Bitcoin diese Schwelle erreichte.
Zusätzliche Unsicherheit kommt vom Derivatemarkt. Beim jüngsten Rückgang wurden vor allem Positionen geschlossen, die auf steigende Kurse gesetzt hatten. Solche erzwungenen Verkäufe können eine Abwärtsbewegung verstärken. Eine leichte Kurserholung reicht deshalb noch nicht als Beleg dafür, dass der Verkaufsdruck vollständig nachgelassen hat.
Zinsentscheidung als nächster Prüfstein
Bitfinex Alpha erwartet Bitcoin bis zum 28. Oktober in einer Spanne von 81.300 bis 84.400 US-Dollar. Ein Ausbruch nach oben wäre dem Analysehaus zufolge bei anhaltenden ETF-Zuflüssen und stabilen Hebelindikatoren möglich.
Diese Einschätzung ist ausdrücklich an Bedingungen geknüpft. Der jüngste Rückzug aus den Fonds schwächt gerade jene Nachfragekomponente, die eine Erholung unterstützen soll. Eine schlechtere makroökonomische Lage könnte das Bild zusätzlich belasten.
Mit der Fed-Entscheidung am 28. Oktober steht der nächste konkrete Termin bevor. Für eine belastbarere Stabilisierung braucht Bitcoin daher mehr als eine kurzfristige Gegenbewegung: Entscheidend sind beständigere Fondskäufe und ein Marktumfeld, in dem Anleger wieder bereit sind, Risiken einzugehen.
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