Sechs Tage in Folge sind Milliarden in US-Spot-Bitcoin-ETFs geflossen — nach dem schlimmsten Abflussmonat in der Geschichte dieser Produkte wirkt das wie eine Kehrtwende. Bitcoin notiert nahe einem Fünf-Wochen-Hoch, doch die Erholung bleibt fragil. Zwischen geopolitischer Nervosität und einer entscheidenden Fed-Sitzung sucht der Markt gerade seine Richtung.
Institutionelles Geld kommt zurück
Der Juni brachte Bitcoin-ETFs Nettoabflüsse von 4,5 Milliarden Dollar und drückte den Kurs auf ein 21-Monatstief unter 58.000 Dollar. Im Juli drehte das Bild: Sechs aufeinanderfolgende Handelstage brachten Nettozuflüsse von insgesamt 928 Millionen Dollar, allein die jüngste Sitzung 203 Millionen Dollar. Bitcoin kletterte daraufhin von 58.000 auf über 66.000 Dollar — ein Plus von mehr als 13 Prozent in drei Wochen und der stärkste Lauf seit der ETF-Zulassung im Januar 2024.
Der Fear-and-Greed-Index sprang parallel von extremer Angst bei 17 auf neutral bei 40. Short-Liquidationen von 241 Millionen Dollar innerhalb von 24 Stunden zeigen, wie stark gegen die Erholung gewettet worden war — und wie schnell diese Wetten aufgelöst wurden. Zuletzt pendelte Bitcoin um die 65.700 Dollar, leicht unter dem Wochenhoch.
Washington und die Fed als nächste Prüfsteine
Ein neuer Entwurf des Clarity Act sorgt zusätzlich für Gesprächsstoff. Das Gesetz soll erstmals einen verbindlichen Rahmen für Kryptomärkte in den USA schaffen und enthält nun eine Ethikklausel, die Interessenkonflikte hoher Regierungsbeamter im Kryptogeschäft einschränken soll — befristet bis 2029. Der Vorstoß folgt auf Gespräche zwischen republikanischen Senatoren und Präsident Trump, dessen Krypto-Einkünfte von über einer Milliarde Dollar im vergangenen Jahr zuvor für Kritik gesorgt hatten.
Am Optionsmarkt positionieren sich Profis für Bewegung: Rund 40.000 Kontrakte mit einem Volumen von etwa 2,5 Milliarden Dollar wurden zwischen den Ausübungspreisen 70.000 und 72.000 Dollar gehandelt. Sie laufen nur zwei Tage nach der Fed-Sitzung am 29. Juli aus, bei der die Notenbank den Leitzins voraussichtlich in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belässt. Ein weniger restriktiver Ausblick könnte der Erholung weiteren Schub geben — Spannungen im Nahen Osten und die Furcht vor günstiger chinesischer KI-Konkurrenz für westliche Tech-Konzerne bremsten zuletzt aber bereits die Risikofreude der Anleger.
Die kommenden Tage bis zur Fed-Entscheidung dürften zeigen, ob die ETF-Zuflüsse anhalten oder ob geopolitische Risiken die Erholung erneut ausbremsen.
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