Ein überraschend schwacher US-Inflationsbericht hat dem Kryptomarkt in dieser Woche spürbaren Schwung gegeben. Bitcoin durchbrach die seit Wochen hartnäckige Marke von 64.000 Dollar. Im Hintergrund bleibt allerdings ein technisches Warnsignal bestehen, das die Erleichterung schnell wieder dämpfen könnte.
Inflationsdaten befeuern die Rally
Der US-Verbraucherpreisindex für Juni fiel um 0,4 Prozent – der steilste monatliche Rückgang seit April 2020. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Juli brach daraufhin von 31 Prozent auf einen einstelligen Wert ein. Parallel dazu übertrafen Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und Citigroup mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen und stützten so die Risikobereitschaft an den Märkten.
Der Altcoin Season Index notiert bei 45 Punkten. Ein Wert unterhalb der 50-Marke zeigt: Frisches Kapital bleibt bislang bei Bitcoin und Ethereum, statt in kleinere Coins zu fließen. Die aktuelle Konsolidierung mit Abschlägen von unter drei Prozent bei den meisten Top-50-Coins gilt entsprechend eher als Verschnaufpause nach dem Ausbruch denn als Trendwechsel.
Ein Wal und ein neuer institutioneller Player
Während der Markt durchatmet, sorgt eine einzelne Wallet für Gesprächsstoff. Ein seit Dezember 2017 inaktives Bitcoin-Wallet bewegte am Donnerstag 5.907,56 BTC im Wert von rund 383,6 Millionen Dollar an eine neue, bislang unbekannte Adresse.
Bei einem geschätzten Einstiegspreis von etwa 17.000 Dollar bedeutet das einen Gewinn von rund 291 Prozent seit dem Kauf. Die Analysefirma Galaxy Research ordnete die Absenderadresse dem sogenannten Noah-Doe-Fall zu – einer Klage um Tausende inaktive Bitcoin-Adressen, die teils Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden. Ein Verkauf an eine Börse fand nicht statt.
Auf der institutionellen Seite kommt derweil ein neuer Anbieter hinzu. T. Rowe Price, mit rund 1,9 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen einer der größten klassischen Asset Manager, brachte mit TKNZ seinen ersten aktiv gemanagten Multi-Token-Krypto-ETF an die NYSE Arca. Rund 41 Prozent des Fonds entfallen auf Bitcoin, weitere 18,4 Prozent auf Ethereum.
Der Fonds startete mit etwa 15 Millionen Dollar Volumen und einer Managementgebühr von 0,75 Prozent.
Das Todeskreuz bleibt bestehen
Trotz des Kursanstiegs kämpft Bitcoin technisch weiter mit einem sogenannten Death Cross – der 50-Tage-Durchschnitt notiert unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts, dem in der Charttechnik meistbeachteten Bärensignal. Das Muster relativiert die Erleichterung über den jüngsten Ausbruch und erklärt, warum viele Analysten trotz der positiven Makrodaten vorsichtig bleiben.
Die Kursprognosen für 2026 spiegeln diese Unsicherheit wider: Sie reichen von 75.000 bis 225.000 Dollar, wobei Standard Chartered bei einem Ziel von 150.000 Dollar verharrt.
Die Marke von 64.000 Dollar bleibt vorerst der Prüfstein. Hält sie als Unterstützung, könnte sich das Todeskreuz in den kommenden Wochen auflösen. Bricht sie erneut, rückt der zurückhaltendere Korridor um 75.000 Dollar für das Gesamtjahr in den Vordergrund.
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